Gewerbe & Verband 11/2021

Rohstoffe sind knapp

Drastisch gestiegene Rohstoffpreise und Lieferprobleme lassen die Kosten für Verpackungen geradezu explodieren. Ein Ende der Verknappung und damit verbundene Preissteigerungen über alle Packmittel-Rohstoffe hinweg scheint derzeit nicht absehbar. Wir haben uns umgehört, was die betreffenden Verbände zu diesem Thema verlautbaren.

Verband der Deutschen Wellpappen-Industrie (VDW)
Der VDW berichtet, dass die Wellpappen-Hersteller für ihren mit Abstand wichtigsten Rohstoff über alle Sorten hinweg im Juni 2021 durchschnittlich 40 Prozent mehr als im September 2020 zahlen mussten. Die überwiegend eingesetzten altpapierbasierten Sorten verteuerten sich im selben Zeitraum sogar um 60 Prozent. Die hohe Nachfrage  nach Wellpappenverpackungen und der hieraus resultierende verbundene Verkäufermarkt auf Seiten der Wellpappenrohpapier-Anbieter lasse in absehbarer Zukunft keine Entspannung bei den Papierpreisen erwarten. Für August waren bereits Papier-Preiserhöhungen von 20 Euro pro Tonne an- gekündigt worden. Die Rohstoffknappheit hat auch in der Wellpappenindustrie zu langen Lieferzeiten geführt. So lagen die Lieferzeiten für die auch für den Online- Handel wichtige Wellpappe im August 2021 bei mehr als sechs Wochen - anstatt innerhalb von zehn Tagen.

Industrievereinigung Kunststoffverpackungen
Die Industrievereinigung Kunststoffverpackungen stellt einen ungebrochenen Preisanstieg und die an- haltende Verknappung vieler Kunststoffe fest. Die Preise vieler Standard-Kunststoffe hatten sich bereits Ende Mai 2021 um über 70 Prozent gegenüber dem Jahresbeginn erhöht. Zusätzlich bereite die Verknap- pung wichtiger Kunststoffe den Verpackungsher- stellern erhebliche Probleme in der Produktion. Die Rohstoffengpässe betreffen sämtliche Kunststoffe.

Industrieverband Papier- und Folienverpackungen (IPV)
Der IPV betont, dass die Verknappung in allen Roh- stoffbereichen anhält. Jedoch gäbe es Unterschiede in den einzelnen Produktgruppen. So sei der Bereich Kunststoff derzeit auf hohem Preisniveau relativ stabil. Bei Papier seien jedoch zunehmende Liefer- zeiten festzustellen. Die Verfügbarkeit im Bereich der Klebstoffe werde als „schwierig“ eingestuft.

Bundesverband Holzpackmittel, Paletten, Exportverpackung (HPE)
Der HPE stellt fest, dass eine umgehende Lieferung für Paletten derzeit nicht sichergestellt ist. Einige Hersteller beliefern bereits seit Jahresmitte nur noch Stamm- kunden. Verträge werden zumeist nur noch auf einen Monat abgeschlossen. Die Nachfrage ist nach wie vor größer als das Angebot. Die Holzpreise hätten sich zum Teil verfünffacht. Derzeit seien gewisse Holz-Sortimente nicht verfügbar. Aufgrund der explosiven Marktlage wären in jüngerer Vergangenheit auch Bestellungen ohne Preis herausgegeben worden. Der Preis sei erst bei Lieferung bekannt gegeben worden. Preise für Paletten in der Kategorie „Speditionsqualität“ seien im August im Vergleich zum Vorjahr um rund 222 Prozent gestiegen. Der Verband erwartet, dass selbst bei spä- ter eventuell eintretenden Preisrückgängen, die Preise nicht wieder auf das Vorniveau fallen werden. Gründe für die Marktturbulenzen seien einerseits die Corona- pandemie und die gestörten Lieferketten. Hinzukomme jedoch insbesondere auch, dass Rohstoffe vielfach lieber nach USA, China und Großbritannien verkauft werden, weil dort noch höhere Preise erzielbar seien.

Und die Möbellogistik?
Auch die Möbellogistiker sind von den Preissteigerungen und Lieferschwierigkeiten für die Verpackungsmateriali- en betroffen. Insbesondere das Umzugsgewerbe musste in den ersten beiden Quartalen 2021 z. B. für Kartonagen bereits Preiserhöhungen von bis zu 25 Prozent akzep- tieren. Für Luftpolsterfolien stiegen die Preise bis zu 40 Prozent und für Holzprodukte bis zu 50 Prozent.

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