Editorial 3/2021

Aller Anfang...

Der berühmtberüchtigte "Sprung ins kalte Wasser" dürfte meinen Start als Verbandsjuristen der AMÖ am prägnantesten beschreiben. Mit den neuen AGB Umzug 2021 erwartete mich bereits sehnsüchtig ein großes und für die gesamte Branche sehr wichtiges Projekt zu Beginn meiner Tätigkeit und hatte als Willkommensgeschenk in meiner zweiten Woche eine mehrstündige Videokonferenz mit dem Rechtsausschuss parat. Im Schwimmbecken der AGB benötige ich zwar keine Schwimmflügel, allerdings unterscheidet sich die Arbeitsweise als Verbandsjurist dann doch nicht ganz unerheblich von der „klassischen Rechtsanwaltstätigkeit“ in einer Kanzlei. Dies gilt vor allem für meine Tätigkeit in einer wirtschaftsberatenden Großkanzlei, wo zwar ebenfalls in einem großen Team gearbeitet wurde. Allerdings wird bei den dort behandelten Großverfahren jedem „Teammitglied“ eine eigene Aufgabe zu Teil, wodurch sich das Rad weiterdrehen soll. Eine individuelle Mandatsarbeit mit Kontakt zur zu beratenden außenstehenden Person, wie es in Kanzleien üblicherweise der Fall ist, war jedoch nicht Bestandteil meiner Anfangszeit, sodass hier bei der AMÖ eine erfrischende Abwechslung meinen Start begleitete.

Auffällig waren auf sehr persönlicher Ebene die interagierenden und kontaktfreudigen Geschäftsführer der Landesverbände, das Präsidium sowie die Mitgliedsunternehmen, von denen ich schon sehr früh ein herzliches Willkommen erhielt. Dadurch breitete der Wohlfühlfaktor seine Flügel schon seit Tag eins in überraschend hohen Sphären aus.

Die virtuell abgehaltenen Sitzungen waren mehr oder weniger Neuland für mich und konnten natürlich das persönliche Miteinander nicht gleichwertig ersetzen, und legten meiner Einarbeitung einige kleine Steine in den Weg. Erschwerend kam die für die Erarbeitung der Branchen-AGB erforderliche und mir bis dato zwangsläufig fehlende Praxiserfahrung hinzu. Allerdings kam mir die von einem Volljuristen voraus- gesetzte Adaptation in neue Themen, genauso zugute, wie die tatkräftige Unterstützung aller Beteiligten.

So konnte ich bereits nach der ersten virtuellen Sitzung, die kontrovers diskutierten Themen bezüglich der einzelnen Klauseln in meiner Vorbereitung für die eine Woche später stattgefundenen zweiten Sitzung einfließen lassen, und so schon einen ersten Entwurf für die neuen AGB erstellen.

Jedoch beschäftige ich mich nicht nur mit der Erarbeitung neuer AGB, sondern widme mich allen rechtlichen Fragen unserer Mitglieder. Und genau hier bewege ich mich dann doch in bekanntem Terrain und kann mit meinen zuvor erlangten Fähigkeiten problemlos unseren Mitgliedern mit meiner tatkräftigen Unterstützung und Expertise nicht nur zur Seite stehen, sondern auch ihren Rücken stärken.

An das virtuelle Arbeiten habe ich mich, wie die meisten von uns, bereits gewöhnt und gewinne ihr eine Menge Positives ab. Die räumliche Unabhängigkeit und die damit gewonnen Zeit stellt einen nicht zu unterschätzenden Mehrwert der doch überwiegend wenig erfreu- lichen Situation, dar. Die Einfachheit von Webinaren und digitalen Konferenzen führt zu einem stärkeren Austausch mit den internen sowie externen Kolleginnen und Kollegen, und einem dadurch verbundenen größeren Informationstransfer. Dies wird vermutlich auch in der Zukunft unsere Arbeitsweise mindestens in einem gewissen Umfang umgestalten und durch die, im Allgemeinen, noch zu langsam fortschreitende Digitalisierung optimieren. Mein persönlicher Eindruck von unserer Branche ist, dass der persönliche Kontakt eminent ist und wir der Zeit, in der Präsenzveranstaltungen wieder mög- lich sein werden, mit großer Hoffnung entgegensehen.

Ich wünsche uns allen ein gutes Durchhalten und kann es kaum erwarten, Sie alle in persona kennen zu lernen.

Ihr
Farsad Saghafi

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