Management 6/2019

Azubis: FAQ Versicherung

Im Gespräch mit uns erklärt Katja Behrens, Fachwirtin für Versicherungen und Finanzen bei der R+V-Versicherung, was es zu beachten gibt.

Das erste Auto, die erste Wohnung, der Eintritt ins Berufsleben: Mit zunehmendem Alter ändern sich auch die Lebenssituationen. Dann stehen junge Erwachsene vor der Frage, welche Versicherungen wirklich sinnvoll sind und welche sie sich besser sparen können. Ob Privathaftpflicht, Berufsunfähigkeitsversicherung, Rechtsschutz oder Lebensversicherung: Weil mit den regelmäßig vom Konto abfließenden Kosten mögliche Risiken und/oder Eventualitäten abgesichert werden, sparen manche im schlimmsten Fall am falschen Ende.

Frau Behrens, direkt gefragt: Welche Versicherungen sind für Azubis bzw. junge Erwachsene absolut unverzichtbar?

Katja Behrens: Das lässt sich in einem Satz leider nicht beantworten. Es gibt eine Vielzahl von Versicherungen, die bezogen auf Alters- und Berufsgruppen unterschiedlich sinnvoll sind. Auch der Geldbeutel spielt dabei eine wichtige Rolle. Deshalb sollte man, je nach Lebenssituation, Prioritäten setzen.

Welche Versicherungen stehen ganz oben auf der Liste?

Zu den Basics der Versicherungen zählt ganz klar die Privathaftpflichtversicherung – weil man nie wissen kann, was geschieht. Die Privathaftpflicht sichert den Versicherungsnehmer vor den Schadensersatzforderungen Dritter ab, denn für die entstehenden Kosten muss man als Verursacher in der Regel in unbegrenzter Höhe aufkommen. Das kann existenzielle Folgen haben. Schon kleine Unfälle, wie zum Beispiel ein Fahrradunfall, können enorme Schadensersatzforderungen nach sich ziehen. Eine Privathaftpflicht mit einer ausreichend hohen Schadenabsicherung ist in der Regel ab 50 Euro pro Jahr erhältlich. Verursacht ein Azubi hingegen in der Ausübung seiner beruflichen Tätigkeit einen Schaden, beispielsweise, wenn beim Packen des Umzugsguts etwas zu Bruch geht, ist er in der Regel über die Betriebshaftpflichtversicherung seines Arbeitgebers abgesichert.

Was empfiehlt sich mit Blick auf die Ausbildung?

Hier bietet sich eine Berufsunfähigkeitsversicherung an. Jeder Berufstätige, dazu zählen auch Auszubildende, sind dem Risiko ausgesetzt, ihre Arbeitskraft zu verlieren. Das Risiko sollte nicht unterschätzt werden, denn jeder vierte Arbeitnehmer, mit steigender Tendenz, muss seinen Beruf vor dem Rentenalter wegen Unfall oder Krankheit zeitweise oder dauerhaft aufgeben. Schwere Krankheiten können Jeden treffen und das in jedem Alter. Körperlich belastende Berufe wie z.B. in der Umzugslogistik sind ein weiterer Risikofaktor, der nicht zu unterschätzen ist. Verletzungen an Wirbelsäule oder Gelenken und Muskeln können hier schnell zu einer Berufsunfähigkeit führen. Vor allem Auszubildende sind hier gefährdet finanzielle Probleme zu bekommen, da sie noch nicht auf die gesetzliche Erwerbsminderungsrente zurückgreifen können. Für eine monatliche BU-Rente in Höhe von 750 Euro zahlen die Auszubildenden in der sogenannten „Startphase“ ungefähr 30 Euro im Monat.

Kann man das Geld denn nicht besser zur Seite legen, als es in eine reine Risikoversicherung zu stecken?

Das halte ich für nicht ratsam! Die staatlichen Leistungen, die Betroffene zu erwarten haben, sind in den letzten Jahren stark eingeschränkt worden. Vor allem die Auszubildenden haben die Voraussetzungen für die staatlichen Leistungen in den ersten Berufsjahren noch nicht erfüllt. Aufgrund der existenziell bedrohlichen Risiken gehört die Berufsunfähigkeitsversicherung ebenso wie die Privathaftpflicht meiner Empfehlung nach zu den wichtigsten Versicherungen für Auszubildende.

Welche Vorsorge können Azubis heute schon für ihren Renteneintritt treffen?

Es gibt viele Gründe mit der Altersvorsorge so früh wie möglich zu beginnen. Die steigende Lebenserwartung, die geringere staatliche Absicherung und die höheren Kosten im Alter zählen definitiv dazu. Auf die gesetzliche Rente allein kann man sich leider nicht verlassen. Die gute Nachricht ist: Je früher man damit beginnt, desto größer ist das Vermögen im Alter – selbst wenn es sich zu Beginn um geringe monatliche Sparbeiträge handelt. Eine gute Variante ist die betriebliche Altersvorsorge über den Arbeitgeber. Diese Art der Vorsorge ist sehr attraktiv, weil sie aus dem Bruttogehalt finanziert wird und sowohl für den Arbeitnehmer als auch für den Arbeitgeber Steuern und Sozialabgaben spart. Hier kann man auch sehr effektiv die vermögenswirksamen Leistungen des Unternehmens einfließen lassen. Praktisch gesehen zahlt man 50 Euro ein und spart 100 Euro für die Altersvorsorge an.

Über welche privaten Versicherungen sollte man als Azubi und junger Erwachsener noch nachdenken?

Egal ob Kind, junger Erwachsener oder Rentner – eine private Unfallversicherung ist sinnvoll und passt sich den Bedürfnissen der verschiedenen Lebensabschnitte an. Im Gegensatz zur gesetzlichen Unfallversicherung leistet sie während der Freizeit und weltweit. Rund Zweidrittel der Unfälle passieren außerhalb der Arbeitszeit, zum Beispiel beim Fußball oder Skifahren. Solche Unfälle sind nicht durch die gesetzliche Unfallversicherung abgedeckt. Oder auch vom Pferd fallen und sich den Arm oder das Bein brechen, beim Fußball umknicken oder sich das Kreuzband reißen: All das sind Unfälle in der Freizeit, die durch die gesetzliche Unfallversicherung nicht abgesichert sind. Auszubildende in der Umzugslogistik sind mit einem monatlichen Beitrag von etwa 24 Euro solide abgesichert. Bleiben wir kurz beim Beispiel Skifahren, dann aber außerhalb Deutschlands: Wer auf Reisen geht, sollte über eine Auslandsreisekrankenversicherung nachdenken. Gegen einen geringen Beitrag von ca. 11 Euro pro Jahr leistet sie weltweiten Versicherungsschutz. Sie kommt beispielsweise unter anderem für den Rücktransport aus der Urlaubsregion auf. Hat das entsprechende Land höhere Gesundheitskosten als wir in Deutschland, erstattet die Auslandsreisekrankenversicherung im Nachgang die Differenz.

Der Eintritt ins Berufsleben geht häufig mit der ersten eigenen Wohnung einher. Empfehlungen?

In diesem Fall kann eine Hausratversicherung von Bedeutung sein. Wer bereits in einer eigenen Wohnung oder auch in einer WG lebt, könnte diese Versicherung definitiv in Betracht ziehen. Versichert ist der komplette Hausstand zum Neuwert gegen Gefahren wie Einbruchschäden, Schäden durch Leistungswasser oder Wohnungsbrand. Man muss also keine teuren Schätze in seiner Wohnung stehen haben, die man darüber absichern könnte. Klassisches Beispiel für einen Schaden ist hier der Wohnungsbrand. Die Kerze kippt um und steckt den Teppich in Brand. Schnell hat der gesamte Raum Feuer gefangen und Möbel, Kleidung und andere Habseligkeiten vernichtet. In so einem Fall hilft die Hausratversicherung beschädigte und zerstörte Sachen zu ersetzen. Mit etwa 52 Euro im Jahr sind Auszubildende für eine durchschnittliche Wohnungsgröße dabei. Abgesehen von den genannten klassischen Versicherungen geht der Trend weiter zu so genannten Geräteschutzversicherung für mobile Endgeräte wie Smartphone, Tablet, Laptop oder die Digital-Kamera gegen Sturz-, Bruch- und Diebstahlschäden. Hier muss Jeder für sich entscheiden, was er in welchem Umfang versichern möchte.

Was müssen Azubis mit Kindern beachten?

Kinder sind bei der Unfallversicherung das Stichwort für junge Familien. Sie sind risikofreudig und oft sehr unvorsichtig, da kann leider schnell etwas passieren: beim Sport stürzen, beim Klettern vom Baum fallen oder beim Fahrradfahren verunfallen – Szenarien die sich keine Eltern vorstellen möchten, aber leider häufig vorkommen. Mit der Unfallversicherung kann man sich zumindest vom finanziellen Druck befreien und ist gefühlsmäßig etwas mehr abgesichert. Auch ist es wichtig, den Kindern eine gute Perspektive für die Zukunft zu geben. Mit einer attraktiven Sparanlage können nicht nur Chancen genutzt werden, sondern auch auf ein sicheres Kapital für die Kinder gebaut werden. So kann beispielsweise das Studium, die erste eigene Wohnung oder das erste Auto finanziert werden, und die Kinder starten sicher in die Zukunft.

Unsere Gesprächspartnerin:

Katja Behrens ist Fachwirtin für Versicherungen/Finanzen und be­rät als Mitarbeiterbetreuerin bei der R+V-Versicherung ihre Kolleginnen und Kollegen in allen Versicherungsfragen von der Ausbildung bis nach Renteneintritt.

Die im Interview genannten Beitragswerte sind beispielhaft und können bei individuellen Kalkulation abweichen.

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