Gewerbe & Verband 10/2021

"Das war eine Ohrfeige..."

Für AMÖ-Präsident Frank Schäfer sind Impfungen ein entscheidender Baustein im Kampf gegen das Coronavirus. Um seinen Beschäftigten möglichst frühzeitig einen Impfschutz zu beschaffen, ergriff er selbst die Initiative. Mehr dazu erfahren Sie im Interview mit Björn Helmke, Pressesprecher der BG Verkehr.

Herr Schäfer, wie sind Sie bisher mit Ihrem Unternehmen durch die Pandemie gekommen?

Insgesamt relativ gut. Natürlich hat es ein paar Einschnitte gegeben, weil ein Teil unserer Kundschaft mit ihrem eigenen Geschäft von Corona betroffen war und deshalb auch keine Aufträge ausgelöst hat. Aber wir haben flexibel reagiert und neue Kundenschichten angesprochen. Beispielsweise Privatkunden, die wegen der Pandemiesituation ihren Umzug nicht privat organisieren konnten, sondern auf Dienstleister zurückgegriffen haben. Daran haben wir und auch andere Unternehmen der Branche in den letzten Monaten partizipiert.

Hatten Sie Probleme mit Erkrankungen bei Ihren Beschäftigten?

Nein, gar nicht. Wir haben bereits sehr früh Maßnahmen ergriffen: Abstand halten, kein Händeschütteln, und auch mit dem Maske tragen haben unsere Beschäftigten schon sehr früh begonnen. Wir hatten bisher keinen einzigen Coronafall im Betrieb und auch in der Kundschaft Glück, so dass keine Leistung wegen eines Quarantänefalls abgesagt werden musste. Das hat einiges an Anstrengung gekostet. Aber es hat sich gelohnt, und wir hoffen, dass es so bleibt.

Etwa seit Juli steht jetzt auch Impfstoff in ausreichenden Mengen zur Verfügung, sodass sich jeder, der möchte, einen Impftermin besorgen kann. War das ein Thema zwischen Ihnen und ihren Beschäftigten?

Wir haben bereits sehr frühzeitig über das Thema gesprochen. Und nicht nur gesprochen. Wir haben unseren Mitarbeitern und Mitarbeiterinnen alle Unterstützung gegeben, die denkbar war und uns um Impftermine für sie gekümmert. Für uns waren es anstrengende Wochen und Monate, weil die Verfügbarkeit von Impfterminen wie eine Lotterie war. Wir haben teilweise 50-mal und mehr am Tag geschaut, und sofort zugegriffen, wenn ein Termin frei wurde. Aber letztlich haben wir für alle, die wollten und anderweitig keinen Termin hatten, einen Impftermin organisiert.

Ein hoher Aufwand…

Extrem hoch. Und extrem ernüchternd fand ich es als Unternehmer im Logistikbereich, dass meine Mitarbeitenden in der Prioritäts- gruppe 3 in Niedersachsen noch- mal ins letzte Drittel geschoben wurden. Das war eine Ohrfeige für unsere Belegschaft, die während der ganzen Pandemiezeit draußen war und Kundenkontakt hatte.

Wie hoch war die Impfbereitschaft in ihrem Unternehmen?

Extrem hoch. Nur ein Mitarbeiter wollte sich nicht impfen lassen. Für unser Unternehmen war die hohe Impfbereitschaft unter zweierlei Gesichtspunkten extrem wichtig: Zum einen für den Gesundheitsschutz unserer Beschäftigten und der Kunden, zum anderen für die Gesellschaft insgesamt. Ich finde es wichtig, dass das Impfangebot angenommen wird. Die Pandemie ist noch nicht vorbei. Ich bin zwar nur Laie, aber ich befürchte, dass wir auch 2022 noch mit dem Virus zu tun haben wer- den und erst dann zu einer neuen Normalität zurückkehren können. In der Zwischenzeit bietet die Impfung den bestmöglichen Schutz.

Wie steht die Branche zum Impfen?

Nachdem was ich wahrgenommen habe, sehr positiv. Ich kenne persönlich viele Fälle, wo die Unternehmen die Dinge für ihre Beschäftigten in die Hand genommen haben, weil es die Beschäftigten in der Möbelspedition ständig unterwegs sind und nicht dazu kommen, ständig nach Impfterminen zu suchen. Auch andere Vorsichtsmaßnahmen wurden getroffen, um Infektionsketten zu unterbrechen und Infektionen zu vermeiden. Bei Transporten mit Übernachtung werden die Mitarbeiter beispielsweise in Einzelzimmern untergebracht und nicht in Doppelzimmern. Die Schutzmaßnahmen werden von den Kollegen und uns ins- gesamt sehr ernst genommen.

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