Gewerbe & Verband 4/2021

Die AMÖ distanziert sich!

Siegel-Industrie entdeckt AMÖ-Betriebe

Wie der AMÖ bekannt geworden ist, kontaktiert die Deut- sche Gesellschaft für Verbraucherstudien mbH (DtGV) derzeit unsere Mitgliedsunternehmen mit einer „Einladung zur Teilnahme an der Qualitäts-Prüfung ‚Herausragende Umzugsunternehmen 2021‘“.

Das DtGV-Testsiegel wird dabei als „objektiver Qualitätsnachweis“ beworben, um sich als seriöses Umzugsunternehmen von unseriösen Anbietern abzugrenzen. Die von der DtGV so bezeichnete „Qualitäts-Prüfung“ erfolgt über einen selbst auszufüllenden Fragebogen, den die Unternehmen einreichen können.

Die Teilnahme, also die Zusendung der ausgefüllten umfangreichen Datenabfrage, ist – im ersten Schritt – kostenlos. Die Lizenz zur Nutzung des DtGV-Siegels, das bei Bestehen der „Qualitäts-Prüfung“ für Werbezwecke in Aussicht steht, kann ab 990 Euro (zzgl. MwSt.) für ein Jahr erworben werden. Die Preise steigen in Abhängigkeit der Unternehmensgröße. Zudem kann ein Bericht über die Detailergebnisse als so genannter „detaillierter Studienbericht“ für 290 Euro (zzgl. MwSt.) erworben werden. In der weiteren Darstellung beschreibt die DtGV das Verfahren als „Zertifizierung“.

Wohl bewusst AMÖ-Formulierungen eingesetzt

Im Anschreiben der DtGV fällt auf, dass Begriffe und Formulierungen gewählt werden („seriöse vs. unseriöse Anbieter, „abgrenzen), die die AMÖ auch in ihrer offiziellen Kommunikation verwendet, wenn die besondere Leistungsfähigkeit der organisierten Möbelspediteure betont wird (vgl. die „Abgrenzungskampagne“ der AMÖ).

Die AMÖ distanziert sich ausdrücklich von diesem Angebot. Die Kontaktaufnahme mit den Mitgliedsunternehmen erfolgt ohne Mitwirkung oder Zustimmung der AMÖ. Gespräche der AMÖ mit der DtGV haben zu keinem Zeitpunkt stattgefunden.

Die Mitgliedsunternehmen der AMÖ haben sich in den letzten Jahren einen hohen Qualitätsstandard erarbeitet, der entweder durch Zertifizierungen nach nationalen oder internationalen Normen oder durch die Prüfung im Rahmen der Vergabe des AMÖ-Zertifikates objektiv geprüft und dokumentiert wird. Die AMÖ setzt dabei mit dem AMÖ-Zertifikat auf eine Qualitätsprüfung durch eine neutrale Prüforganisation. Aus der Gesamtzahl der Teilnehmer an der Abgrenzungskampagne wird jedes Jahr durch die von der AMÖ beauftragte unabhängige Prüforganisation eine repräsentative Stichprobe gezogen und die Unternehmen werden vor Ort auf Kriterien überprüft, die für den Kunden tatsächlich relevant sind.

Verbraucherschützer warnen: Geschäftsmodell erkennen

Wir bezweifeln, dass Kauf-Siegel eine Abgrenzung der seriösen Umzugsunternehmen von den „schwarzen Schafen“ im Gewerbe bewirken kann. Dem aufmerksamen Beobachter fällt auf, dass die Kauf-Siegel an eine Vielzahl von Unternehmen vergeben werden. Diese Art von Siegeln, die mit einem Lizenzmodell zur Nutzung versehen sind, sollten, zumal mit einer für uns nicht ganz nachvollziehbaren Abgrenzung der guten von den schlechten Unternehmen geworben wird, nach Auffassung der Verbraucherkommission Baden-Württemberg nicht zuletzt im Zusammenhang mit dem dahinterstehenden Geschäftsmodell bewertet werden, wie die Verbraucherkommission Baden-Württemberg erklärt: „Seitdem sich auf fast jedem Produkt mindestens ein Label findet, seitdem fast jedes Finanzprodukt von irgendjemandem zum ‚Testsieger‘ gekürt wurde, seitdem fast jede Krankenkasse mit mehreren Siegeln wirbt, ist eine ganze Labelvergabe-Industrie entstanden. Die ist hochprofitabel – Hersteller und Anbieter zahlen oft 20.000 Euro und mehr für ein Label – hilft aber den Verbrauchern nicht. Denn die vielen unseriösen Anbieter wollen mit ihren ‚Tests‘ keine Probleme aufdecken und damit bei Herstellern und Anbietern Anstrengungen zur Verbesserungen von Produkten und Dienstleistungen auslösen. Die Unseriösen können keine „befriedigenden”, „ausreichenden”, „mangelhaften” oder „ungenügenden” Produkte gebrauchen, sie brauchen möglichst viele „gute” und „sehr gute”, um möglichst viele Label verkaufen zu können.“

Die Stiftung Warentest kommentiert auf unsere Nachfrage: „Von einem seriösen Test kann keine Rede sein, das Geschäftsmodell besteht darin, ein Siegel zu vermarkten. In unseren Augen wird der Verbraucher durch solche Siegel nicht informiert, sondern ihm wird suggeriert, dass die entsprechenden Unternehmen sich einem Test unterzogen hätten, was nicht der Fall ist. Ob Unter- nehmen ein solches Label in der Verbraucherkommunikation einsetzen, müssen sie selbst entscheiden. Allerdings wird der Anspruch des Testveranstalters, 'Verbrauchern bei ihren Entscheidungsfindungen mit objektiven Analysen zur Seite zu stehen', erkennbar nicht eingehalten.“ Der Verein „Testwatch“ geht sogar noch einen Schritt weiter in der Beurteilung: „In Deutschland gibt es über 100 mehr und zumeist weniger seriöse Testveranstalter. […] Doch welchen Tests kann man vertrauen? Die Antwort: Die meisten sind nicht seriös. Im besten Fall sind sie unterhaltsam, zumeist aber schlicht Täuschung der Verbraucher.“

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