Editorial 12/2020

Die neue Normalität

Das Jahr neigt sich dem Ende zu. „Ein Glück“ wird sich so mancher denken. Denn bei allen positiven Herangehensweisen, 2020 hat uns allen viel abverlangt und wird uns allen in Erinnerung bleiben, allerdings nicht mit tollen Highlights, sondern als Krisenjahr.

Dabei waren die Voraussetzungen zwar nicht fantastisch, aber auch nicht schlecht. 30 Jahre wiedervereinigtes Deutschland und das was die Menschen in diesem Land gemeinsam in dieser Zeit geleistet haben! Das wäre wirklich ein guter Grund zum Feiern und ein echtes Highlight gewesen. Auch für die Landesverbände im Osten, die 2020 Jubiläen feiern wollten. Und einige Verbände im Westen hatten gleiches geplant, mit 75 Jahren schon etwas älter, deswegen aber nicht weniger frisch.

Stattdessen Lockdown, soziale Distanzierung, Niesetikette, Verhaltensregeln, Kontaktbeschränkungen und Sondersendungen über Toilettenpapierknappheit, Nudelausverkauf und leere Regale im Einzelhandel. Statt Theater oder Kino Netflix, statt Restaurantbesuch Lieferdienst, statt Urlaubsreise Spaziergänge im Wald, statt Wetterbericht Infektionszahlen des RKI, statt Kongress und Tagungen Videokonferenzen, statt Seminar Webinare, statt warmherziger Begrüßung Abstand, statt erfreutes Wiedersehen aus dem Weg gehen.

Und für die Unternehmen: statt Umsatz Beihilfen, statt Löhnen Kurzarbeitergeld, statt Meetings Homeoffice, statt Prämien Stundungen, statt Investitionen Liquiditätssicherung. Der Staat ersetzt den Markt. Was wäre die Alternative gewesen?

Und auch sonst war an eine geordnete Unternehmensführung in diesem Jahr häufig nicht zu denken: blitzartige Einführung und Durchsetzung von Hygieneplänen, Beschaffung von Masken und Desinfektionsmittel, Verteilung des Materials an die Mitarbeiter, hochgradige Verunsicherung und Nervosität bei Kunden, Verunsicherung auch beim Personal, kurzfristige Auftragsabsagen von Kunden, kurzfristige Terminverschiebungen durch den Möbelspediteur weil Ziele nicht mehr angefahren werden konnten oder Fahrzeuge und Teams irgendwo stecken geblieben sind, Einführung von Kurzarbeit, permanentes prüfen an welchem Ort welche Quarantäneverordnung gilt und was die Paragraphen bedeuten, Umsetzen von Auflagen der Behörden, kurzfristige Bankgespräche, Prüfen von Investitionen. Und einige hat es sogar mit Corona-Infektionen beim eigenen Personal getroffen. Mit allen Konsequenzen aus den Gesundheitsämtern, der Frage wie das Personal in der Quarantäne versorgt wird, dass keine gesundheitlichen Spätschäden eintreten und der Frage, wie das verbliebene Personal geprüft und beruhigt und der Alltag im Unternehmen fortgesetzt werden kann.

Wenn das die von der Politik so Mantra-artig beschworene neue Normalität sein soll, kann sie uns wohl allen gestohlen bleiben! Immerhin sind Logistik und das Personal der Logistik als systemrelevant erkannt und anerkannt worden. Und deutlich sichtbar wurde auch, dass die Möbelspedition krisenresistent und improvisationssicher ist.

Falls es dieses Jahr einen Jahresrückblick geben wird, und ich bin sicher das wird es, denn Fernsehen sehen kann man ja allein, sehr gut in sozialer Distanzierung auch ohne Freunde und Familie, dann werden wir sicher viel von den Helden dieser Pandemie hören. Da werden zu recht Ärzte und Krankenpflegepersonal der Intensivstationen genannt werden, auch die zahlreichen Zusteller, die das Volk mit den Segnungen der Internetversandriesen beglückt haben, sicher auch die vielen Eltern, die ihre Kinder überfordert beim „homeschooling“ unterstützt haben. Ich bin aber sicher, dass eine Gruppe Helden nicht vorkommen wird: die vielen Familienunternehmerinnen und Unternehmer, Inhaberinnen und Inhaber der kleinen und mittelständischen Unternehmen. Die haben einfach gemacht, oft am Rande der eigenen Erschöpfung dafür gesorgt, dass die Unternehmen unter schwierigsten Rahmenbedingungen weiterarbeiten konnten, dass Aufträge erfüllt wurden, dass Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter ihren Lohn bekommen, sprich, dass der Laden weiterläuft und die Karre nicht einfach im Dreck stecken bleibt.

Das, meine Damen und Herren, ist Ihre Leistung, die allergrößten Respekt verdient. Meinen Respekt haben Sie. Bleiben Sie auch 2021 optimistisch und halten Sie durch. Nach jedem Tal kommt wieder ein Anstieg. Hoffen wir gemeinsam, dass es möglichst schnell so weit ist. Und dass die „neue Normalität“ bald nur eine Randnotiz in der Geschichte ist.

Kommen Sie gut in das neue Jahr, und bleiben Sie, Ihre Familien und Ihre Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter gesund! Auf ein persönliches Wiedersehen in 2021, herzlichst

Ihr
Dierk Hochgesang

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