Management 6/2020

„Neue Pflichtversicherung!“

Schon immer waren Ausfälle von Forderungen ein Risiko, das je nach Un­ternehmen erheblich, sogar existenziell werden konnte. Forderungsaus­fälle können jeden treffen, der Geschäft mit Zahlung nach erfolgter Leis­tung betreibt. Die Kreditversicherung war und ist ein bewährtes Mittel, um sich vor Zahlungsausfällen zu schützen.

Corona erhöht das Risiko von Forde­rungsausfällen erheblich. Viele Auf­tragnehmer, sei es für die Neumöbello­gistik, aber auch für Umzugsspediteure und Speziallogistiker, sind durch die Krise wirtschaftlich schwer getroffen. Mit dem „COVInsAG“ („Gesetz zur vorü­bergehenden Aussetzung der Insolvenzantragspflicht und zur Begrenzung der Organhaftung bei einer durch die CO­VID-19-Pandemie bedingten Insolvenz“) wurde die Pflicht zur Stellung eines In­solvenzantrags nach § 15a der Insolvenz­ordnung und nach § 42 Absatz 2 BGB bis zum 30. September 2020 ausgesetzt. Dies gilt zwar nicht, wenn die Insolvenzreife nicht auf den Folgen der Ausbreitung der COVID-19-Pandemie beruht oder wenn keine Aussichten darauf bestehen, eine bestehende Zahlungsunfähigkeit zu be­seitigen. Wenn aber der Schuldner am 31. Dezember 2019 nicht zahlungsunfähig war, wird laut Gesetz vermutet, dass die Insolvenzreife auf den Auswirkungen der COVID-19-Pandemie beruht und Aus­sichten darauf bestehen, eine bestehende Zahlungsunfähigkeit zu beseitigen.

Gut möglich, dass man im besten Glau­ben für einen Auftraggeber tätig wird, der faktisch bereits zahlungsunfähig ist, aber noch keine Eröffnung eines Insolvenz­verfahrens beantragt hat. Als Dienst­leister kann man nicht wissen, wie es um den Auftraggeber steht. Dann ist es sehr wahrscheinlich, dass man auf der Forde­rung sitzen bleibt, denn dass nach Corona die Zahlungsfähigkeit wiederauflebt ist zunächst Wunschdenken des Gesetzge­bers. Und selbst in den Fällen, in denen ein Auftraggeber noch zahlt, ist nicht ausgeschlossen, dass im Fall der später festgestellten Zahlungsunfähigkeit der Insolvenzverwalter die Zahlung zurück­fordert. Das kann einen dann, je nach Auftragsvolumen, selbst in die Zahlungs­unfähigkeit treiben.

Forderungsausfälle, die auf Corona zurückgehen, entschädigen R+V und KRAVAG jetzt im Rahmen der R+V-Wa­renkreditversicherung. Mit wichtigen Anpassungen wurde der bestehende Ver­sicherungsschutz jetzt auch auf die Lo­gistik-Branche zugeschnitten. Axel Salzmann, Leiter des KRAVAG Kompetenzzentrums Straßenverkehrs­gewerbe und Logistik, beantwortet die häufigsten Fragen.

Herr Salzmann, welche Änderungen enthält der verbesserte Versiche­rungsschutz?

Axel Salzmann: In diesen Zeiten ist es aus meiner Sicht unerlässlich, sich vor dem Domino-Effekt ausbleibender Zahlungs­eingänge in einer instabiler werdenden Wirtschaftslage zu schützen. Eine Kreditversicherung ist daher die neue Pflicht­versicherung für jeden Logistiker. Im Kern führen wir hierfür die bestehende Forderungsausfallversicherung normal weiter – jedoch mit wichtigen Anpas­sungen, um den Herausforderungen der Pandemie und des nahezu weltweiten Shutdowns zu begegnen. So haben wir noch einmal definiert, dass die Pande­mie keine Naturkatastrophe darstellt und auch nicht den Ausschlussgrund „politisches Risiko“ erfüllt. Das bedeutet, dass Forderungsausfälle, die auf Corona zurückgehen, im Rahmen der WKV ent­schädigt werden. Dazu bieten wir allen Versicherungsnehmern Zahlungsziel­verlängerungen mit ihren Schuldnern an. Zunächst für Fälligkeiten bis zum 30. Juni 2020. Eine individuelle Abstimmung mit uns ist dafür nicht notwendig.

Was passiert mit Bestandskunden?

Selbstverständlich werden die bestehen­den Verträge uneingeschränkt fortgeführt und unsere Bestandskunden bleiben im Bestand.

Gibt es jetzt ein grundsätzlich anderes Produkt, die „Corona-KV“?

Nein, das Produkt heißt weiterhin „R+V-WKV“. Dieses wurde von uns aber an die aktuellen Herausforderungen angepasst.

Ändern sich denn die Versicherungsbedingungen?

Nein, die Bedingungen bleiben gleich. Aber es gibt nun Regelungen, die beglei­tend wirken.

Werden die Risiken wie bisher gezeichnet?

Ja, allerdings werden wir auch weiterhin vor sich abzeichnenden Insolvenzen war­nen und dann auch den Versicherungs­schutz reduzieren. Es gibt aber keine pau­schalen Ausschlussbranchen, Industrien oder Länder.

Können auch bisher nicht versi­cherte Unternehmen die R+V-Wa­renkreditversicherung noch in dieser Corona-Krise abschließen?

Auch in dieser angespannten Situation nehmen wir noch neue Kunden auf und zeichnen - wenn die Bonität es erlaubt - auch weiterhin Limite auf Firmen, die neu angefragt werden. Für KRAVAG-Kunden besteht zudem das Angebot der Einzelanmeldungen von Aufträgen. Das ist gerade für Möbelspediteure besonders interessant.

An wen sollen sich interessierte Unternehmer wenden?

Die Kollegen in den SVG-Assekuranzen kennen sich mit dem Produkt bestens aus. Diese können Sie zu allen Details kompe­tent beraten.

Werden alle Risiken, die vor der Pandemie positiv bewertet wurden, in dieser positiven Bewertung gehalten?

So ist der Schutzschirm grundsätzlich ge­dacht, allerdings bleibt es natürlich dabei, dass wir bei sich stark verschlechternden Bonitäten und bei einer anstehenden In­solvenz auch reagieren. Hier gehen wir allerdings sehr vorsichtig und selektiv vor. Unser klar definiertes Ziel ist, im ge­wohnten Maße Versicherungsschutz zu bieten.

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