Titelthema 5/2019

Gesundes Personal

Angestellte im Bereich Möbelspedition und Logistik waren im vergangenen Jahr an weniger Tagen krank. Das Gefährdungspotenzial ist im Vergleich zu anderen Branchen aber um ein Vielfaches höher. Ein gezieltes Betriebliches Gesundheitsmanagement könnte als wirkungsvolles Rezept entgegenwirken.

Der Gesamtkrankenstand der Beschäftigten im Bereich Möbelspedition und Logistik war im vergangenen Jahr leicht rückläufig. Auch im Vergleich mit anderen Branchen der DAK-Gesundheit liegt der Gesamtkrankenstand etwas niedriger. Das zeigen der aktuelle Gesundheitsbericht der DAK-Gesundheit und die Krankenstands-Analyse des Berliner IGES Instituts. Dabei wurden für das Jahr 2018 die Daten von rund 2,5 Millionen Versicherten der DAK-Gesundheit ausgewertet und die Fehlzeiten der DAK-versicherten Beschäftigten der Branche „Erbringung von sonstigen Dienstleistungen für den Verkehr“ gegenübergestellt.

Was so erfreulich klingt, hat dennoch einen Haken. Ein Blick auf die Entwicklung der letzten Jahre zeigt: Nach wie vor fällt fast jeder zweite Mitarbeiter (47 Prozent) mindestens einmal im Jahr wegen Arbeitsunfähigkeit aus. Auch die Erkrankungshäufigkeit in der Branche lag über der Erkrankungshäufigkeit in den Vergleichsbranchen.

Auffällig ist, dass die Arbeitsunfähigkeitsfälle bei jüngeren Mitarbeitern (unter 30 bis 39 Jahre) um einiges höher liegen, während sie bei den über 50-Jährigen die Vergleichsgruppe sogar unterbieten. Diese Tendenz spiegelt sich auch in den Krankheitstagen wider. Mitarbeiter unter anderem von Speditionen und Transportunternehmen fehlten im Schnitt 11,6 Tage – einen Tag weniger als noch im Jahr 2017. Etwa 35 Prozent der ausfallenden Mitarbeiter gelten dabei als Langzeiterkrankte und beziehen Krankengeld. Die übrigen 65 Prozent der Mitarbeiter fehlten bis zu 42 Tage im Job, fielen somit unter die Lohnfortzahlung und verursachten unmittelbar Kosten für ihr Unternehmen.

Auch Jüngere haben Rücken

Erkrankungen des Muskel-Skelett-Systems wie Rückenschmerzen gelten als Volkskrankheit Nummer eins. Nicht weiter verwunderlich, dass etwa jeder fünfte Fehltag mit einer solchen Erkrankung begründet wurde, was dem Leiden im Jahr 2018 die führende Position unter den Fehl tage auslösenden Krankheiten einbrachte.

Ein Blick auf die Altersstruktur der Mitarbeiter zeigt, dass bereits ab einem Alter von 30 Jahren die Fehltage infolge einer Arbeitsunfähigkeit ansteigen. Mit zunehmendem Alter spielen Erkrankungen des Muskel-Skelett-Systems eine immer größere Rolle. Machen die Fehltage in einem Alter ab 40 Jahren etwa 1,5-mal so viel aus, so entfallen bei den Mitarbeitern ab dem 50. Lebensjahr fast doppelt so viele Fehltage auf dieses Krankheitsbild wie auf andere Erkrankungen.

Mehr Ausfalltage und höhere Kosten

Bei den Langzeiterkrankungen im Verhältnis zu den bis zu 42-tägigen Erkrankungen gab es eine große Verschiebung: Der Anteil der Langzeiterkrankungen fällt mit knapp 40 Prozent geringer aus als im Vorjahr. Demgegenüber sind die Krankheitstage im Rahmen der Lohnfortzahlung gestiegen. Fielen im Jahr 2017 etwas mehr als die Hälfte (54 Prozent) der Fehltage in den Bereich der kurz- und mittelfristigen Erkrankungen, waren es im Jahr 2018 etwa 60 Prozent. Die Folge: Trotz rückläufigen Krankenstands in der Branche steigen die Kosten im Rahmen der Lohnfortzahlung.

Dabei ließe sich unter anderem der „Volkskrankheit Rücken“ mit einem ausgeklügelten Betrieblichen Gesundheitsmanagement (BGM) entgegenwirken. Als BGM wird die strukturierte Gesundheitsförderung und Gesundheitsprävention des Personals bezeichnet. Dabei geht es um die systematische und zielorientierte Steuerung aller betrieblichen Prozesse mit dem Ziel, die Gesundheit und Leistung der Beschäftigten zu erhalten und zu fördern, damit diese langfristig im Unternehmen tätig sein können.

„Gesundes und motiviertes Personal trägt nicht nur zu einem positiven Betriebsklima bei“, sagt Barbara Croonen- Luft. „Wer in seinem Unternehmen gesundes Personal beschäftigt, kann auch kostengünstiger wirtschaften“, so die Referentin Betriebliches Gesundheitsmanagement bei der DAK-Gesundheit. Geringere Fehlzeiten, weniger Personalfluktuation und weniger Einarbeitung neuen Personals: das alles hat sinkende Personal- und Krankheitskosten zur Folge und das bei steigender Produktivität.

„Dazu kommt, dass Maßnahmen zur Betrieblichen Gesundheitsförderung, die wir nach vorhergehender Beratung in Ihrer Spedition durchführen, für alle Ihre Mitarbeiter kostenfrei sind – unabhängig von ihrer Krankenkassenzugehörigkeit“, sagt Croonen-Luft. „Von A–Z, die Liste der möglichen Gesundheitsmaßnahmen ist lang – je nach Unternehmensgröße, versteht sich.“ Trotzdem: Noch nicht viele AMÖ-Mitgliedsunternehmen machen von der Möglichkeit solcher Maßnahmen Gebrauch. Barbara Croonen-Luft bedauert das sehr: „Schließlich wirken sich die Maßnahmen nicht nur intern positiv aus, sondern können auch extern zu mehr Wahrnehmung und Markenbildung führen. Stichwort: aktives Unternehmen!“

Beispiel Frey & Klein

Ein AMÖ-Mitgliedsunternehmen, in dem das Aktivkonzept seit einigen Monaten gelebt wird, ist die Frey & Klein Internationale Spedition GmbH in Simmern/ Ohlweiler im Hunsrück. Angestoßen wurde die Aktion von einem Mitarbeiter, der sich im benachbarten Sportpark fithält und der bei Lohnverhandlungen das Thema Fitness und Gesundheit ansprach. Geschäftsführer Stefan Klein war für die Idee der Betrieblichen Gesundheitsförderung auf Anhieb offen und ließ sich von der Vielzahl guter Argumente überzeugen.

Schnell wurden in seinem Betrieb ein Arbeitskreis BGM gegründet, die Hauptziele abgesteckt und ein Fahrplan aufgestellt. Nach der ersten Bestandsaufnahme zeigte sich dann die Varianz des Gefährdungspotenzials: Fahrer und Mitarbeiter in der Verwaltung sind vergleichsweise geringeren Belastungen ausgesetzt, die überwiegend zu Beschwerden im unteren und oberen Rückenbereich führen. Dagegen liegt die Intensität der Belastung bei den Fachkräften für Möbel-, Küchen- und Umzugsservice weit höher: Traglasten von täglich zwischen 800 und 1.200 Kilogramm sowie Einzellasten zwischen 70 und 100 Kilogramm hinterlassen schnell ihre Spuren und führen zu Überlastungsschäden in Gelenken und Muskeln, etwa in den Knien, im Schulter-Nacken- Bereich oder in den Handgelenken.

Entscheider müssen überzeugt sein

Nach Auswertung aller Erhebungen wie Cardio-Scans und Mitarbeiterbefragungen durchliefen die Probanden ein vierwöchiges aktives Startprojekt, wobei die Verbesserung der Gesundheit und das Wohlgefühl, „für sich etwas zu tun“, im Mittelpunkt standen. Hauptaugenmerk: eine bessere Eigenwahrnehmung und mehr Selbstverantwortung für die Gesundheit. „Kleine Erfolge motivieren zur aktiven Bewegung und zu Sport“, kommentierte der für die Auswertung verantwortliche Sportfachmann Lothar Rodenbusch vom Sportpark Simmern.

„Frey & Klein und allen voran Geschäftsführer Stefan Klein haben hier sehr viel Weitsicht bewiesen“, lobt Gesundheitsexpertin Croonen-Luft. Nur zu häufig scheiterten wichtige Projekte, weil die verantwortlichen Entscheider das Übel nicht erkennen und keinen Handlungsbedarf sehen würden. Probleme gar nicht erst entstehen zu lassen erspare eine spätere Lösungsfindung. Die Gesunderhaltung des Personals sei daher das beste Mittel gegen Ausfalltage. „Vorbeugen ist besser als Krankschreiben!“

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