Titel 6/2021

Gut geschützt!

Alle Jahre wieder ein heißes Thema: der UV-Schutz in der Möbelspedition. Und das nicht nur an Tagen, an denen die Sonne mit voller Kraft scheint. Dabei ist gerade die ultraviolette Strahlung Hauptursache für Hautkrebs.

Arbeitgeber sind durch das Arbeitsschutzgesetz verpflichtet, eine Verbesserung von Sicherheit und Gesundheitsschutz der Beschäftigten anzustreben. Wegen der gesundheitsgefährdenden Auswirkungen sind sie deswegen auch für den Sonnen- und Hitzeschutz ihres Personals verantwortlich. Die gesundheitlichen (Langzeit-)Folgen durch übermäßige direkte Sonneneinstrahlung sind nicht zu unterschätzen. UV-Strahlung kann Haut und Augen schädigen; sofort, aber auch langfristig. Hierbei gilt: Je stärker und länger die Strahlung einwirkt, desto größer ist die Gesundheitsgefahr. Selbst wenn kein sichtbarer Sonnenbrand auftritt, kann die Strahlung zur Hautalterung beitragen und das Risiko für Hautkrebs erhöhen. Eine starke Wärmeeinwirkung kann zudem das Herz-Kreislauf-System sowie den Wasser- und Elektrolythaushalt belasten.

Laut Bundesamt für Strahlenschutz (BfS) steigt die Häufigkeit von Hautkrebserkrankungen in Deutschland stetig an, und verdoppelt sich alle 10 bis 15 Jahre. Dazu kommt, dass bestimmte Formen des Hautkrebses seit dem 1. Januar 2015 offiziell in den Katalog anerkannter Berufskrankheiten aufgenommen wurden, etwa der sogenannte weiße Hautkrebs (Plattenepithelkarzinom) sowie seine Vorstufen (aktinische Keratosen) und das Bowenkarzinom. Damit sind die Unternehmen in besonderer Verpflichtung – und sollten ein Eigeninteresse am bestmöglichen Schutz der Mitarbeiter haben.

Vor allem für „Outdoorworker" wie Mitarbeiter in der Möbelspedition sind Schutzmaßnahmen daher unbedingt erforderlich. Dabei richten sich die betrieblichen Schutzmaßnahmen gegen Hitze und Sonne in der Reihenfolge nach dem T-O-P-Prinzip: technisch, organisatorisch, persönlich. Um das Verständnis bei den Mitarbeitern zu fördern, ist es sinnvoll, auf die Gefahren intensiver Sonnen- und UV-Strahlung und von Hitze hinzuweisen und mit welchen Maßnahmen innerbetrieblich entgegengewirkt wird.

1. technisch

Die Deutsche Gesetzliche Unfallversicherung e.V. (DGUV) empfiehlt den Einsatz von technischen Schutzmaßnahmen insbesondere in den Monaten von März bis September bei regelmäßigem Aufenthalt an sonnigen Tagen im Freien von mindestens 1 Stunde in der Zeit von ca. 11 bis 15 Uhr.

Als technische Schutzmaßnahmen können zum Beispiel Sonnenschirme, Sonnensegel oder andere schattenspendenden Maßnahmen am Arbeitsort sein, z.B. für die Bediener von Außenaufzügen. Dabei ist nicht nur die Größe des Hilfsmittels ausschlaggebend, sondern auch das Material: Für textile Stoffe gibt es Textilsiegel, beispielsweise den UV-Standard 801 (siehe unten), auf die bei der Anschaffung geachtet werden sollte.

Autoscheiben halten UV-B-Strahlung relativ gut ab, weshalb man im (geschlossenen!) Auto auch keinen Sonnenbrand bekommt. Doch Vorsicht: Während die Frontscheiben noch weitestgehend vor UV-A- und UV-B-Strahlung schützt, sind Seitenscheiben gerade für UV-A-Strahlung schon durchlässiger. UV-Folien, Scheibenrollos oder Sonnenschutzblenden können hier helfen, um die Verursacher von vorzeitiger Hautalterung und im schlimmsten Fall Hautkrebs auszusperren bzw. abzumildern. Dabei darf aber der Sichtbereich nicht beeinträchtigt werden.

2. organisatorisch

Arbeitsplanung, Arbeitsbeginn, Pausengestaltung – das alles sind organisatorische Maßnahmen, die zum Schutz des Personals beim Einsatz an heißen Tagen berücksichtigt werden sollten. In den Morgenstunden ist ebenso wie abends die Stärke der UV-Strahlung der Sonne deutlich geringer, und auch das Temperaturmaximum wird erst nach dem Sonnenhöchststand am Nachmittag erreicht.

3. persönlich

Die Gefahren durch Hitze und heftige Sonneneinstrahlung werden häufig unterschätzt, und deshalb Schutzmaßnahmen sehr häufig nicht konsequent eingehalten. Doch gerade im Bereich der persönlichen Schutzmaßnahmen lässt dieser sich am einfachsten umsetzen. Um das Personal bei der Umsetzung zu motivieren, sollten die nötigen Maßnahmen und Mittel kostenfrei zur Verfügung gestellt werden.

a) Die richtige Kleidung

Den besten und einfachsten Schutz bieten die richtige Kleidung und eine Kopfbedeckung, die Ohren und den Nacken schützen sollte. Je nach Gewebetyp ist ein gewisser UV-Schutzfaktor (UPF) bereits „eingearbeitet“ – je dichter das Textilgewebe, desto besser. Allerdings: Ein Baumwoll-T-Shirt wird bei heißen Temperaturen schnell vollgeschwitzt sein. Feuchte Kleidung schützt weniger gut als trockene. Lange Kleidung schützt besser als jede Sonnencreme.

Im Handel gibt es deshalb spezielle UV-Schutzkleidung, erkennbar am UV-Protection-Label (z.B. „UPF 50+“) oder am Prüfsiegel „UV-Standard 801“. UV-Kleidung eignet sich besonders für alle, die mehrere Stunden in der Sonne arbeiten müssen. Sie ist in der Regel leicht atmungsaktiv und trocknet schnell.

b) Eincremen

Die beste Kleidung ersetzt nicht das Eincremen mit einem guten Sonnenschutzmittel. Alle unbedeckten Körperstellen sollten großzügig mit Sonnencreme mit UV-A- und UV-B-Filter eingecremt werden. Für Erwachsene wird ein Lichtschutzfaktor von mindestens 20 empfohlen. Es ist ratsam, reichlich Sonnencreme eine halbe Stunde vor dem Aufenthalt in der Sonne aufzutragen. Regelmäßiges nachcremen erhält die Schutzwirkung! Aber: Sonnenschutzmittel können UV-Strahlung nicht komplett blockieren und ersetzen darum auf keinen Fall andere UV-Schutzmaßnahmen.

c) Augen schützen

Eine Sonnenbrille beugt Augenschäden wie Linsentrübung oder Schädigung der Netzhaut vor. Hinsichtlich der UV-Filterwirkung bestehen grundsätzlich keine Bedenken, preisgünstige Brillen von seriösen Händlern zu verwenden. Voraussetzung: Der Herstellerhinweis zum UV-Schutz wie „100 % UV-Schutz“ oder „UV 400“ ist vorhanden. Bestenfalls bieten die Sonnenbrillen ausreichend Seitenschutz für Sonnenstrahlen, die seitlich aufs Auge einfallen, etwa durch die Größe der Gläser oder durch die Formgebung der Brille.

Achtung: Bei Brillenträgern soll die Sonnenbrille häufig auf die Sehstärke abgestimmt werden. In dem Fall ist darauf zu achten, dass die Filterwirkung für UV-Strahlung bis 400 Nanometer gegeben ist. Optiker bieten hierzu kompetente Beratung!

d) Viel trinken

Körperliche Arbeit an heißen Tagen bedeutet einen hohen Flüssigkeitsverlust. Es ist deswegen dafür Sorge zu tragen, dass die Mitarbeiter regelmäßig ihren Flüssigkeitsspeicher auffüllen, sprich ausreichend trinken. Als Maxime gilt, dass nicht zu viel auf einmal, dafür regelmäßig getrunken werden sollte. Dabei sollten gekühlte Getränke vermieden werden. Kalte Getränke müssen im Körper erst wieder erwärmt werden, was den Körper ebenfalls auf Touren bringt. Zum Ausgleich des hohen Verlusts an Mineralstoffen empfiehlt sich als Durstlöscher vor allem Mineralwasser oder Apfelsaftschorle mit hohem Wasseranteil.

Weitere Information rund um das Thema bietet die DGUV unter diesem Link.

Unterweisung: UV-Schutz

Wer sein Personal in Sachen UV-Schutz schulen möchte, kann dies unter anderem ganz leicht über den „Unterweisungsmanager“ tun, den unser Korporatives Mitglied, der Universum Verlag aus Wiesbaden, zu Sonderkonditionen für Mitglieder der AMÖ und ihrer Partnerverbände BIEK, BWVL und DSLV anbietet. Dabei kann, als eines aus mehr als 100 Unterweisungsmodulen, auch das Modul „UV-Schutz“ ausgesucht und unterwiesen werden.

Die Lerninhalte umfassen die Bereiche:

  • Gesundheitsrisiken durch das Arbeiten im Freien
  • Aufbau und Funktion der Haut
  • Schutz vor UV-Strahlung

In der Unterweisung enthalten ist auch ein Test, der, zumindest grob und auch nur als Einschätzung, den Hauttypen der unterwiesenen Person eingrenzt. Abgefragt werden dabei unter anderem die Haar- und Augenfarbe, der Hautton oder wie die Haut bei einem längeren Aufenthalt in der Sonne reagiert.

Die Lerndauer beträgt ca. 15 Minuten. Im Anschluss werden 5 Fragen gestellt. Bei Bestehen erhält der/die Unterwiesene ein Zertifikat zum Selbstdrucken. Darüber hinaus wird die erledigte Unterweisung abgespeichert und kann so im Falle einer Überprüfung als Nachweis dienen.

Hautkrebs: anerkannte Berufskrankheit

Hauptursache für Hautkrebs ist die ultraviolette Strahlung. Für jemanden, der ganz oder überwiegend im Freien arbeitet, ist die Jahresexposition durch solare UV-Strahlung bis zu dreimal höher als bei Beschäftigten, die in Räumen tätig sind. Da Wissenschaftler davon ausgehen, dass durch arbeitsbedingte, langjährige UV-Bestrahlung weißer Hautkrebs entsteht, hat das Bundesministerium für Arbeit und Soziales diesen 2015 als neue Berufskrankheit in die so genannte Berufskrankheitenliste aufgenommen. Wird eine Hautkrebserkrankung gemäß der wissenschaftlichen Empfehlung diagnostiziert und besteht der Verdacht, dass diese arbeitsbedingt verursacht wurde, ist eine Anerkennung als Berufskrankheit möglich. Dann übernimmt und koordiniert die Unfallversicherung alle folgenden Leistungen.

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