Editorial 4/2021

Kosten und kein Ende

Was dürfen wir wirtschaftlich von 2021 erwarten? Höflich formuliert „neue Herausforderungen“. Anders formuliert, es bleibt im besten Fall schwierig. Zum einen wegen der diffusen Auftragssituation. Zum anderen vor allem wegen der Frage, ob es gelingen wird, mit den Aufträgen letztlich auch Geld zu verdienen. Neben der Auftragssituation wird deswegen das Verhältnis von Kosten zu Preisen einmal mehr in den Blickpunkt geraten – müssen.

Bereits jetzt wird deutlich, dass es 2021 in sich haben wird, 2022 wird es wohl kaum besser werden. Das plakativste Beispiel begegnet uns täglich an den Tankstellen. Die Kraftstoffpreise sind im Vergleich zum letzten Quartal 2020 um rund ein Drittel gestiegen.

Eine Entspannung ist nicht in Sicht. Und, das gehört zur Kostenwahrheit dazu, hohe Kraftstoffpreise sind politisch gewollt und durch die CO2-Abgabe mit beschleunigt worden. Der Ausstieg aus der fossilen Antriebstechnologie soll auch über Kosten herbeigeführt werden.

Andere Indikatoren sehen wir ebenfalls täglich. Kein Tag, an dem nicht die Paketdienste durch die Straßen rauschen, um die Bevölkerung mit all den Segnungen der Konsumwirtschaft zu beglücken. Die Paketflut, mit dem Ausmaß eines respektablen Hochwassers, ist nicht erst seit Corona ein weltweites Phänomen. Was nicht mehr vor Ort eingekauft werden kann, wird bestellt. Und damit es den Empfänger unbeschadet erreicht, muss es verpackt werden. Gut verpackt. In der Folge steigt der weltweite Bedarf an Kartonagen in immer neue Dimensionen. Die für die Produktion benötigten Grundstoffe kommen da kaum hinterher, sie werden immer teurer.

Und die Produktionskapazitäten lassen sich auch nicht beliebig kurzfristig ausbauen. Das Resultat: die Preise für Kartonagen steigen kontinuierlich. Ein Ende ist auf absehbare Zeit nicht in Sicht. Im Gegensatz zur Verfügbarkeit, denn im Vergleich zum Bedarf anderer Branchen sind Umzugskartons für die Wellpappenindustrie fast schon ein Nischenprodukt. Nicht ausgeschlossen, dass der ein oder andere Hersteller in Zukunft sein Geschäft lieber anders macht. Was bei einer solchen zusätzlichen Angebotsverknappung passiert, ist für jeden vorstellbar.

Die in der Möbelspedition so beliebte, weil einfach sinnvolle Luftpolsterfolie, erlebt einen Nachfrageboom. Verständlich, wenn so viel verpackt werden muss. Gleichzeitig werden die Grundsubstanzen auch für andere Produkte benötigt. Die Abermillionen Masken, die täglich weltweit verbraucht werden, müssen schließlich irgendwie produziert werden.

FFP-2 und OP-Masken haben deswegen gleich doppelt ihren Preis: ihren eigenen, und die preistreibende Wirkung bei Kunststoffen und Zellstoffen.

Holz und Stahl werden ebenfalls immer teurer. Holz wird als Grundstoff dringend gebraucht. Die Nachfrage ist noch höher als die schon gewaltigen Einschlagmengen. Und bei Stahl wird die Situation ebenfalls spannend. Der Bedarf steigt fortwährend, die Produktion kommt nicht mehr hinterher, der Preis steigt.

Könnte zumindest beim Personal, das in den letzten Jahren wesentlich für die Kostensteigerungen gesorgt hat, Entspannung eintreten? Im Gegenteil, es sind deutliche Anstiege der Personalkosten zu erwarten. Die Beschäftigten werden verständlicherweise einen Ausgleich für coronabedingte Einkommenseinschnitte und auch für die gerade anziehende Teuerung erwarten. Nicht zu vergessen ist die Diskussion um die Anhebung des Mindestlohns auf zwölf Euro in der Stunde. Die Erwartung, die geweckt wurde, ist groß. Auch wo die Stundenlöhne darüber liegen, wird es wegen des Lohnabstandsgebotes zu deutlichen Aufschlägen kommen. Nicht zu vergessen die Lohnnebenkosten. Die Sozialabgaben werden spätestens im nächsten Jahr spürbar steigen. In der Coronapandemie werden die Rücklagen der Sozialversicherungen in beeindruckendem Tempo aufgebraucht. Die Kurzarbeit wird aus den Geldern der Bundesagentur für Arbeit finanziert, die Krankenkassen müssen allgemeine Lasten aus der Pandemie tragen. Gleichzeitig gibt es tiefe Einschnitte bei den Einnahmen. Wenn die Bundestagswahl erledigt ist, gibt es für die Parteien kurzfristig nicht (mehr) viel zu verlieren, dann werden die Defizite sehr schnell ausgeglichen werden (müssen). Und die Wahlgeschenke, die da ganz sicher noch versprochen werden, müssen auch finanziert werden.

Was man da tun kann? Aufmerksam bleiben, und kühlen Kopf bewahren. Und sich dann an die betriebswirtschaftliche Grundbildung erinnern. Kosten sind dann problematisch, wenn sie sich nicht in Preisen wiederfinden. Das geht natürlich nicht einfach so, denn am Markt agieren nicht alle Anbieter gleich und auch die Kunden werden nicht einfach bereitwillig mehr bezahlen wollen. Die Kosten zu verarbeiten wird Mühe bereiten und Überzeugungskraft erfordern. Nur Kosten drücken zu wollen war aber noch nirgendwo langfristig erfolgreiche Strategie.

Bewahren Sie den kühlen Kopf,

Ihr
Dierk Hochgesang

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