Management 12/2021

Kostenstruktur III/2021

Die Kostenfortschreibungen für den Umzugs- und den Neumöbelverkehr sind zum 3. Quartal 2021 vorgenommen und mit dem Gesamtjahr 2020 verglichen worden. Dabei beinhalten die Zahlen für den Neumöbelverkehr lediglich die Transporte zwischen Hersteller und Möbelhandel. Text: Jürgen Kirchner

Die Steigerungen für die verschiedenen Kostenelemente zwischen dem 31. Dezember 2020 und dem 30. September 2021 führten zu einer Erhöhung der Gesamtkosten im Umzugsverkehr von 2,87 Prozent. Die Auswirkungen der Kostensteigerungen im Neumöbelverkehr machten sich mit einer Erhöhung der Gesamtkosten um 4,49 Prozent bemerkbar.

Sowohl im Umzugsverkehr als auch im Neumöbeltransport wurden die prozentualen Erhöhungen der Gesamtkosten im Wesentlichen durch die Steigerung der Fahrzeugkosten ausgelöst. In diesem Segment sind es vor allem die Kraftstoffkostenerhöhungen (+20,9 Prozent), die sich bemerkbar machen.

Die ausgewiesenen Kostensteigerungen für Lohn und Gehalt berücksichtigen nicht die von den Unternehmen freiwillig gezahlten Anpassungen in diesen Bereichen. Freiwillige Lohnanpassungen wurden insbesondere für besonders qualifizierte Mitarbeiter vorgenommen, um einem Unternehmenswechsel entgegenzuwirken. Auch spezialisierte Mitarbeiter mit besonderen Fähigkeiten, die z.B. in der Montage eingesetzt werden, haben bei Neueinstellungen von freiwilligen Lohnanpassungen profitiert.

In einigen Bundesländern laufen derzeit noch Tarifverhandlungen. Der Abschluss der entsprechenden Verhandlungen wird sich nochmal kostensteigernd bemerkbar machen, da hier auch insbesondere die gestiegene Inflationsrate die Forderungen der Gewerkschaften nach oben treibt.

Rohstoffpreise stark gestiegen

Bis September 2021 meldete der Verband  der Deutschen Wellpappenindustrie (VDW) eine Kostensteigerung über alle Sorten hinweg von mehr als 40 Prozent. Die überwiegend eingesetzten Altpapiersorten haben sich im gleichen Zeitraum sogar um 60 Prozent verteuert. Die Verteuerung der Kartonagen geht mit einer erheblichen Verlängerung der Lieferzeiten einher. War im vergangenen Jahr noch mit Lieferzeiten von ca. zehn Tagen zu rechnen, so sind diese nunmehr auf bis zu sechs Wochen angestiegen. Gemäß Händlerinformationen ist mit einer Entspannung bei den Preisen für Kartonagen vorerst nicht zu rechnen.

Die Preise für Kunststoffverpackungen haben sich seit Jahresbeginn um über 70 Prozent erhöht. Nach eigenen Beobachtungen sind die Preise für verschiedene Holzsortimente um über 150 Prozent gestiegen.

Für das 4. Quartal 2021 zeichnen sich bei Verpackungsmaterialien noch weitere massive Preissteigerungen ab. Ein Ende der Kostenerhöhungen ist hier auch im November 2021 noch nicht in Sicht. Es muss vielmehr davon ausgegangen werden, dass bei eventuell eintretenden Preisrückgängen für Verpackungsmittel ein Absinken der Preise auf das Vorkrisenniveau nicht wieder erreicht wird.

Gemäß einer Umfrage, auf der das Mittelstandsbarometer Deutschland 2021 von Ernst & Young beruht, werden die größten Risiken vom Mittelstand wie folgt eingeschätzt: Fachkräftemangel: 54 Prozent; Schutz der IT (beispielsweise vor Hackerangriffen): 50 Prozent; schwache Konjunkturentwicklung im Inland: 51 Prozent; zunehmender Wettbewerb: 40 Prozent; hohe/ stark schwankende Rohstoffpreise: 38 Prozent; hohe/stark schwankende Energiepreise: 27 Prozent; Inflation: 16 Prozent. Vor allem der Fachkräftemangel wird vom Mittelstand als bedrohlich angesehen.

Die aktuellen Personalprobleme im Verkehrssektor und die Versorgungsengpässe, die insbesondere in Großbritannien in den vergangenen Wochen Schlagzeilen gemacht haben, sowie die coronabedingten Störungen der globalen Lieferketten haben die Bedeutung der Berufskraftfahrer für das Funktionieren der Wirtschaft stärker ins Bewusstsein der Öffentlichkeit gerückt. Dennoch teilte das Statistische Bundesamt (Destatis) jüngst mit, dass die Bruttoverdienste der Fachkräfte im Gütertransport in Deutschland vergleichsweise gering ausfielen.

Im Jahr 2020 erhielten sie durchschnittlich 14,21 Euro pro Stunde. Angelernte Kräfte, beispielsweise Lkw-Fahrende ohne entsprechenden Ausbildungsabschluss, verdienten im Schnitt 12,91 Euro. Zum Vergleich: in der Wirtschaft insgesamt lag der durchschnittliche Stundenverdienst im vergangenen Jahr bei 19,97 Euro brutto und für Angelernte bei 16,02 Euro. Auf den Monat gesehen ergab dies einen Durchschnittsverdienst für Fachkräfte im Güterverkehr, wie ausgebildete Berufskraftfahrer, von 2.693 Euro brutto – gut 660 Euro weniger als für Beschäftigte mit einer vergleichbaren Ausbildung und Berufserfahrung in der Wirtschaft insgesamt (3.286 Euro). Angelernte Kräfte verdienen im Güterverkehr durchschnittlich 2.316 Euro brutto/ Monat. In der Wirtschaft insgesamt lag der Durchschnittsverdienst für diese Leistungsgruppe fast 300 Euro höher (2.611 Euro monatlich).

Die Statistik der Bundesagentur für Arbeit erfasste im Jahr 2020 in Deutschland 937.000 Fachkräfte im Bereich „Fahrzeugführung im Straßenverkehr“. Ein größerer Teil dieser Beschäftigten wird in den nächsten Jahren aus dem Berufsleben ausscheiden, denn ein Drittel (33 Prozent) war bereits mindestens 55 Jahre alt. Demgegenüber ist die Zahl der Einsteiger unter 25 Jahren gering. Sie machten mit 33.400 nur 3,6 Prozent aus.

Die Inflationsrate betrugt im Oktober 2021 in Deutschland 4,5 Prozent. Bereits im September 2021 war die Inflation mit 4,1 Prozent erstmals seit fast 28 Jahren über die 4-Prozent- Marke gesprungen. Grund für die Entwicklung: vor allem die weltweit steigenden Preisen für Energie und bestimmte Produkte der Industrie. Auch die deutschen Importe haben sich wegen höherer Preise für Öl, Gas und einige Lebensmittel um 17,7 Pro- zent so stark verteuert, wie seit über 40 Jahren nicht. Diese Importpreise gelten als Vorläufer der Verbraucherpreise. Experten erwarten, dass die Inflationsrate bis Jahresende in Richtung fünf Prozent steigen könnte.

Die eingetretenen beachtlichen Gesamtkostensteigerungen und die absehbaren weiteren Entwicklungen führen dazu, dass die Spediteure verstärkt ihre Kosten- und Ertragslage im Umzugsverkehr und Neumöbeltransport überprüfen.

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