Editorial 11/2019

Einfluss der Kuscheltiere

Womit soll ich dieses Editorial beginnen: mit der schlechten oder der nicht so guten Nachricht? Okay, dann mit der traurigen: Die Idee, das auf der Messe MöLo 2019 ausgestellte Plüschkänguru für interessierte Mitgliedsunternehmen in Serie produzieren zu lassen, ist gestorben – zumindest vorerst. An unserer Umfrage, die über die Landesverbände an die Mitgliedsunternehmen kommuniziert wurde und mit der wir deren Interesse an dem schmucken Stofftier als Werbemittel – etwa als Geschenk für Kids bei Familienumzügen – erheben wollten, haben sich gerade einmal glorreiche sieben Unternehmen beteiligt. Vier davon gaben an, gar keine Exemplare haben zu wollen. Bei den anderen war die Stückzahl leider zu gering, um mit dem Hersteller über eine Senkung des Produktionspreises zu verhandeln.

Zu teuer? Zu hässlich? Woran lag‘s, dass nur sehr sehr sehr sehr sehr sehr wenige unser rollendes Plüschkänguru bestellen wollten? Am „Och wie süüüüß“-Faktor ja doch bestimmt nicht. Auf der Messe noch schien das Interesse an dem Frottee-Hüpfer gefühlt tausendfach größer zu sein, als jetzt deutlich wurde. Dabei wollten wir doch eigentlich den Hersteller von unserer Verbandspower beeindrucken und damit überzeugen, weit unter dem Angebotspreis fertigen zu lassen. Da war wohl der Wunsch der Vater des Gedankens – und eine goldige Chance, das Känguru an die Kids zu bekommen, um nicht zu sagen, die Umzugskunden von morgen, ist dahin. Wurde hier vielleicht zu leichtfertig eine einfache Möglichkeit zur Kundenbindung verschenkt? Oder anders: Der Einfluss eines simplen Kuscheltiers schlichtweg unterschätzt?

Als Steppke hatte ich mal einen Stoffhund, der, wenn ich nachts im Bett lag, ängstlich war und nicht einschlafen konnte, mutig vor mir Wache hielt. Gespenster, Kleiderschrank- und Unterm- Bett-Monster, alles, was da so im Dunkeln lauert – will heißen: alles, was da so in Kinderköpfen rumspukt –, blieb da lieber in sicherer Entfernung. Für mich als Knirps völlig logisch! Später dann, 1988, bekam ich Berni geschenkt, ein Hase in Fußballschuhen, das Maskottchen der EM 1988 in Deutschland. Ich stürmte damals für die E-Jugend der SpVgg Hattstein. Junge Junge, haben wir oft die Hütte vollgekriegt. Aber nicht mehr mit Berni, der, vom hinteren linken Toreck aus, alles vom Kasten abgehalten hat, was auf ihn zugeflogen kam – mit Ausnahme der Herzen der Mädels, meiner damaligen Klassenkameradinnen aus der 2A, die, „Och wie süüüüß“, Maskottchen Berni noch lieber hatten als den Wackelpudding mit Vanillesoße, den es an Thies‘ Geburtstagen immer gab. Sie meinen, dass wir weniger Buden kassierten, lag an Wuschelkopf Achim, den unser Trainer als Torwarttalent zwischen den Pfosten entdeckte? Ich gebe Brief und Siegel: Das lag an Berni! Wo Berni im Laufe der Jahre gelandet ist? Möglicherweise in einem blauen Sack, der bei einem unserer Umzüge spurlos verschwand.

Was ich sagen will: Dass ich mich an Berni und meinen Wachhund erinnere, hat einen Grund: Sie haben mich geprägt! Kuscheltiere sind Freunde, Beschützer, Begleiter, Einschlafhilfe, Dauemndrücker, Tränentrockner, Vertrauter, Verbündete, Spielgefährten, Trostspender. Ein Umzug ist für viele Kinder ein einschneidendes Erlebnis: Weg aus einer vertrauten Umgebung und seinen Freunden, hinein ins Ungewisse – ich glaube, so ein Plüschkänguru könnte einem Kind in einer solchen Situation mehr als nur ein Lächeln ins Gesicht zaubern: Es könnte eine warme Erinnerung schaffen. Einen Moment, an den dieses Kind selbst Jahrzehnte später noch mit Freuden zurückdenkt! Im Vergleich zum Plüschkänguru einfach unbezahlbar.

Übrigens: Ich war neulich auf einem Flohmarkt. Direkt am ersten Stand stolperte ich über eine Kiste mit Stofftieren. Raten Sie mal, wen ich für zwei Euro gekauft und zu Hause meiner einjährigen Tochter in die Arme gedrückt habe...

Ihr
Daniel Waldschik

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