Gewerbe & Verband 12/2019

"Man muss brennen!"

Einen Unternehmer-Oskar erhält man nicht alle Tage. Wir haben Preisträger Heinz Riemer in einem sehr persönlichen Inter­view gefragt, was ihm diese Auszeichnung bedeutet, welche Steine es aus dem Weg zu räumen gab, und welche Kniffe er den Jungunternehmerinnen und Jungunternehmern mit auf den Weg geben möchte.

Herr Riemer, was ist das für ein Gefühl, so einen „Oskar für sein Lebenswerk“ in seinen Händen zu halten?

Heinz Riemer: Eigentlich unbeschreiblich! Ganz oben an­gekommen, ein Gefühl wohl alles richtig gemacht zu ha­ben nach einem ausgefüllten, aber auch sehr interessanten Berufsleben. Zwischenzeitlich führt mein Sohn Oliver mit seinem Team mein Lebenswerk in meinem Sinn erfolgreich weiter, nicht selbstverständlich, aber schön, wenn man ei­nen so tollen jungen Nachfolger aufzuweisen hat.

Was dachten Sie, als Sie auf die Bühne gerufen wurden?

Meine Frau und ich wurden vom Vorstand der Oskar-Pat­zelt-Stiftung anlässlich der 25. Jubiläumsfeier eingeladen. Ahnungslos fuhren wir nach Düsseldorf, atemlos war ich bei der Preisübergabe, Überraschung pur war dem Veranstal­ter gelungen, denn wir wussten von nichts, aber auch rein von gar nichts! Nach der offiziellen Preisverleihung hieß es, dass man heute, einzigartig, einen Sonderpreis in Düssel­dorf zu vergeben habe – und dann ertönte noch einmal der berühmte Satz: „Wir bitten nach vorn“ – Herrn Heinz Rie­mer aus Wiefelstede. Das Licht ging aus, Scheinwerfer und Kameras auf unseren Tisch gerichtet. Es folgten einzigartige Momente, wenn man mit zitternden Knien die Bühne betritt. Die außergewöhnliche Laudatio mit bewegenden Worten und ehrlicher Anerkennung wurde von Herrn Dr. Helfried Schmidt (Oskar Patzelt-Stiftung) verlesen, der mir auch den Preis überreichte. Im Scheinwerferlicht stehend streckt man den Fotografen und den Gästen voller Stolz die Trophäe ent­gegen und freut sich über den tollen Applaus, die Wertschät­zung und die vielen Gratulanten. Ein unvergessenes Erlebnis.

Während eines Berufslebens rechnet man ja nicht damit, so eine Auszeichnung zu erhalten. An welche beruflichen Entscheidungen erinnern Sie sich gerne zurück?

1986 wechselte ich vom Angestelltendasein in die Selbst­ständigkeit. Damals erwarb ich zwei alte, aber etablierte Umzugsfirmen mit dem Ziel, in Oldenburg die Besten zu werden. Wettbewerber in Oldenburg und Umgebung gab es genug, deshalb mussten wir besser sein. Mit unserer Möbelspedition Walter Bötticher (Oldenburg) und unserer Umzugsfirma Willi Richter (Leer) suchte ich ständig nach neuen Aufgabenfeldern, um unsere Dienstleistungspalette zu erweitern. 1995 war ich einer der Gründungsmitglieder der Euromovers GmbH in Bonn und auch einer der ersten fünf Vorstandsmitglieder. Bedingt durch den starken Per­sonalabbau der Bundeswehr, Gründung von Frachtlogis­tik-Firmen, Börsen im Internet mit dem Ziel, „Wer kann’s noch billiger?“, gab es für uns nicht mehr genug lukrative Aufträge. Wir mussten uns umorientieren, neue Lösungen mussten her, aber welche? Also war Unternehmertun ge­fragt, ansonsten hätten wir mit unserem Betrieb vor Entlas­sungen, schlimmstenfalls sogar vor einer Geschäftsaufgabe gestanden. Aus der Not heraus kam mir dann die beste Idee meines Lebens: Im November 1999 gründete ich die Lager 3000 GmbH. Den Namen mit der Zahl 3000 habe ich gewählt um ein Alleinerkennungsmerkmal zu haben. Firmen mit dem Zusatz 2000 gab es damals schon reichlich und auch genug. Damit begann eine Erfolgsgeschichte. Mit der Krö­nung zum Schluss, ausgezeichnet mit dem großen Mittel­standspreis „Lebenswerk“, gibt es keinen besseren Abgang aus meinem Berufsleben.

Gibt es etwas, dass Sie als „alter Hase“ unbedingt den noch heurigen jungen mit auf den Weg geben möchten?

Nach einem Spruch eines chinesischen Gelehrten Konfuzius heißt es so schön: „Wähle einen Beruf, den du liebst, und du brauchst keinen Tag in deinem Leben mehr zu arbeiten!“ Man muss seinen auserwählten Beruf wirklich lieben und jeden Tag brennen, brennen und nochmals brennen. Auf den Wettbewerb achten und versuchen immer etwas besser, schneller und erfolgreicher zu sein. Das sollte man wissen, wenn man heute den Weg in eine Selbstständigkeit wagt und dann: Netzwerken, Netzwerken und nochmals Netzwerken. Ideen verwirklichen, sich selbst Ziele setzen und diese auch konsequent durchsetzen. Man muss risikobereit sein und auch in der Lage sein, nach außergewöhnlichen Wegen zu suchen. Nicht gleich den Kopf in den Sand stecken, wenn etwa Banken nicht mitmachen wollen oder können. Heute gibt es so viele andere Möglichkeiten, was es in meiner Zeit des Aufbaus der Lager 3000 nicht gab. Aber hinter einem er­folgreichen Geschäftsmann steht auch immer eine erfolg­reiche Frau. Ohne meine Frau Inge hätte ich meine Ideen nicht verwirklichen können. Eigentlich gehört ihr der Preis.

Ihre Pläne für die Zukunft?

Es hat sich längst herumgesprochen, dass ich als Seniorchef das Unternehmen mit persönlichen Führungen durch die Containerhallen vorstelle. Uns besuchen Vereine, Firmen, Behörden, Berufsschulen und noch mehr. Gegen eine frei­willige Spende verbringt man gemeinsam einen schönen Nachmittag oder Abend in unseren Geschäftsräumen. Sogar die Kleinsten aus den Kindertagesstätten, so zusagen unsere Kundschaft von übermorgen, kommen zu uns und staunen nicht schlecht, wenn unser Lagermeister mit einem Groß­stapler oder einer Kranlaufbahn Container ein- oder um­stellt. Die Spenden geben wir eins zu eins weiter. Schon seit Jahren engagieren wir uns beispielsweise für den Förderver­ein Hilfe für krebskranke und behinderte Kinder Ammerland e.V., unsere Feuerwehr oder ganz generell für Menschen, die unverschuldet in Not geraten sind. Und das tun wir von Herzen gern: Etwas zurückzugeben – den Schwächeren in unserer Region.

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