Titel 5/2021

Optimistische Zukunft!?

Vom 10. bis 29. März 2021 hat die AMÖ die Mitgliedsunternehmen zum dritten Mal zu den Auswirkungen der Corona-Pandemie auf die Möbelspeditionen befragt. Das sind die Ergebnisse...

Die Umfrage hat das Ergebnis der ersten beiden Umfragen verfestigt. Auch die Möbelspeditionen spüren die Auswirkungen der Corona- Pandemie massiv. Dennoch kommt die Branche im Vergleich zu vielen anderen immer noch einigermaßen glimpflich durch diese schwierige Zeit. Offensichtlich ist es manchen Unternehmen sogar gelungen, in einigen Marktsegmenten, in denen die meisten Marktteilnehmer ansonsten sehr deutliche Rückschläge erlitten haben, Zuwächse zu erzielen. So haben, obwohl dieser Markt für eine gewisse Zeit praktisch zum Stillstand gekommen war, etwa ein Viertel der Umfrageteilnehmer bei Objektumzügen Umsatzzuwächse realisieren können. Mehr als die Hälfte musste aber in diesem Marktsegment Umsatzrückgänge verkraften.

Dagegen gibt es auch andere Bereiche, in denen einige Unternehmen gegen den Trend mit Umsatzrückgängen zu kämpfen haben. In der Endkundendistribution konnten offensichtlich nicht alle Unternehmen von dem starken Trend zum Onlinehandel profitieren. Jedes fünfte Unternehmen hat Rückgänge in diesem Bereich festgestellt. Dagegen ist der stationäre Handel bei weitem nicht so stark eingebrochen, wie das angesichts der Lockdownphasen zu erwarten gewesen wäre.

Trotz aller Probleme nimmt nur ein vergleichsweise kleiner Teil die staatlichen Hilfsprogramme in Anspruch. Eine Ausnahme bildet das Kurzarbeitergeld. Aber auch hier gilt für mehr als die Hälfte der Unternehmen, dass sie Kurzarbeitergeld seit Beginn der Corona-Pandemie noch überhaupt nicht beansprucht haben.

Bei allen Herausforderungen in der Gegenwart haben die Mitgliedsunternehmen jedoch die Zukunft fest im Blick. Nur etwa jedes zehnte Unternehmen denkt daran, sich in diesem Jahr wegen der Corona-Pandemie von Personal zu trennen. Dagegen planen mehr als 40 % der Mitgliedsunternehmen, zusätzliches Personal einzustellen. Fast jeder zweite Umfrageteilnehmer möchte auch in diesem Jahr ausbilden. Und auch sonst blicken die Mitgliedsunternehmen nach vorne. Mehr als die Hälfte der Umfrageteilnehmer will keine Abstriche an den mittel- und langfristigen Investitionsplanungen machen.

Gute Ergebnisse erwartet

Der Fokus der Mitgliedsunternehmen bleibt, angesichts der vorherigen Aussagen verständlich, klar auf die Möbelspedition gerichtet. 86 % der Umfrageteilnehmer gaben an, die aktuellen Geschäftsfelder beibehalten zu wollen. Dabei wollen mehr als ein Drittel neue Geschäftsfelder erschließen, ein knappes Drittel will sich auf die Kernkompetenzen konzentrieren. Im Fokus bleiben Digitalisierung, Unternehmenssteuerung und Marketing.

Die Einschätzungen der Entwicklungen in den verschiedenen Marktsegmenten für das Jahr 2021 variieren. Für Privatumzüge erwarten 91 % der Befragten positive Tendenzen oder zumindest eine unveränderte Lage. Dies gilt auch für die Neumöbelverteilung auf der sogenannten „letzten Meile“. Für die Verteilung von Neumöbeln zwischen Möbelhersteller und -händler gehen 22 % der Befragten von einer Verschlechterung der Lage aus. Für Erstattungsumzüge erwartet jedes vierte Unternehmen negative Entwicklungen, bei Objektumzügen sogar rund ein Drittel. Zu guter Letzt: jeder fünfte Umfrageteilnehmer geht sogar davon aus, dass dieses Jahr das Ergebnis besser ausfallen wird, als im Jahr 2020.

Die Ergebnisse im Detail

In den geschäftlichen Tätigkeiten fühlen sich 90 % der Unternehmen von der Pandemie betroffen, 46 % davon stark.

36 % der Befragten verzeichneten für das Jahr 2020 ein positives Jahresergebnis, das besser als 2019 ausfiel. 27 % erzielten ein positives Ergebnis, jedoch schlechter als im Vorjahr. 22 % der Umfrageteilnehmer schlossen negativ ab, davon 17 % schlechter als 2019.

Obwohl im Oktober 2020 lediglich 54 % mit einem positiven Jahresabschluss 2020 gerechnet hatten, konnten dieses Ziel immerhin 63 % der Umfrageteilnehmer trotz der schwierigen Umstände noch realisieren.

Bezüglich der Umsatzentwicklungen in den verschiedenen Marktsegmenten im Vorjahresvergleich machten die Befragten folgende Angaben:

Privatumzüge Selbstzahler

  • Umsatzsteigerung: 53 %
  • Umsatzeinbußen: 27 %

Erstattungsumzüge

  • Umsatzsteigerung: 17 %
  • Umsatzeinbußen: 51 %

Objektumzüge

  • Umsatzsteigerung: 26 %
  • Umsatzeinbußen: 50 %

Auslieferungen Möbelhandel

  • keine Umsatzeinbußen: 63 %
  • davon Umsatzsteigerung: 13 %

Lieferungen Endkunden

  • Umsatzsteigerung: 71 %
  • Umsatzeinbußen: 19 %


52 % der Unternehmen hatten bis einschließlich Februar 2021 kein Kurzarbeitergeld beantragt. Zwischen März und Juni 2020 Kurzarbeitergeld in Anspruch genommen hatten 36 % der befragten Möbelspeditionen. (Juli/August: 18 %, September/Oktober: 15 %, November/Dezember: 16 %). Im Januar/Februar 2021 stieg der Anteil der Unternehmen, die Kurzarbeitergeld beantragten auf 23 %.

Fast keine Entlassungen geplant

Für bis zu 50 % der Arbeitszeit der Mitarbeiter nahmen im März lediglich 4 % der Betriebe Kurzarbeitergeld in Anspruch. 21 % bezogen für bis zu 25 % der Arbeitszeit Kurzarbeitergeld.

Die Corona-Hilfen wurden von den Möbelspeditionen nur äußerst zurückhaltend in Anspruch genommen. 24 % der befragten Unternehmen hatten Soforthilfen der Länder beantragt, 14 % Soforthilfen des Bundes. Die Stundung von Steuerzahlungen und andere steuerliche Hilfsmaßnahmen beantragten 17 %. Das KfW-Sonderprogramm nahmen 11 % in Anspruch und KfW-Schnellkredite und Überbrückungshilfen jeweils 10 %. Wirtschaftsstabilisierungsfonds und Bürgschaften spielten bislang praktisch keine Rolle.

Im September 2020 berichteten 86 % der Unternehmen bisher keine Corona-bedingten Entlassungen von Mitarbeitern vorgenommen zu haben und 73 % plante auch für die Zukunft keine Freisetzung von Mitarbeitern infolge der Pandemie. Zu Beginn des Jahres 2021 hat sich hieran praktisch nichts geändert. Lediglich 9,5 % der befragten Unternehmen wollen Mitarbeiter freisetzen, während 42 % der Unternehmen Neueinstellungen fest planen. 37 % erwägen dies.

46 % der Möbelspediteure planen, im laufenden Jahr auszubilden.

Für das Jahr 2021 wollen 57 % der Umfrageteilnehmer keine Abstriche an den mittel- und langfristigen Investitionsplanungen machen. Bei 20 % soll das Investitionsvolumen für das laufende Jahr niedriger als mittel- und langfristig geplant ausfallen. 23 % wollen die Investitionen für 2021 jedoch komplett zusammenstreichen.

Befragt nach den unternehmerischen Strategien für das Jahr 2021 gaben 86 % der Befragten an, die aktuellen Geschäftsfelder beibehalten zu wollen. Der verstärkten Digitalisierung wollen sich 44 % annehmen. Die Entwicklung neuer Geschäftsfelder wollen 37 % vorantreiben, während 32 % der Befragten sich auf ihre Kernkompetenzen konzentrieren möchten. 80 % der Unternehmen streben keine Veränderung der Unternehmensgröße an und 7 % planen eine Unternehmensvergrößerung.

Der Modernisierung der Unternehmenssteuerung wollen sich 31 % und einem verstärkten Marketing 28 % der Befragten zuwenden.

Für das Jahr 2021 erwarten 23 % insgesamt steigende Umsätze. 40 % gehen von unveränderten Umsätzen aus.

22 % der Umfrageteilnehmer gehen davon aus, dass das Jahresergebnis 2021 besser als das Jahresergebnis 2020 ausfallen wird, 36 % gehen von einem unveränderten Jahresergebnis aus. Immerhin 43 % befürchten, dass das Jahresergebnis 2021 schlechter als das Jahresergebnis 2020 ausfallen wird.

Zur Einordnung: Während des Lockdown vom 18. März bis 20. April 2020 kam das öffentliche Leben in Deutschland weitestgehend zum Erliegen. Seit dem 16. Dezember 2020 befindet sich Deutschland erneut in einem Lockdown, der nur teilweise und regional in unterschiedlicher Ausprägung gelockert und größtenteils in Folge der dritten Pandemiewelle wieder verschärft wurde bzw. wird.

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