Gewerbe & Verband 6/2020

Umfrage: Corona-Folgen

In der Zeit vom 9. April bis zum 4. Mai 2020 erfolgte eine schriftliche Befragung der AMÖ-Mitgliedsunternehmen dazu, in welchem Umfang die Möbelspeditionen von der Corona-Pandemie betroffen sind. Etwa jedes fünfte AMÖ-Mitgliedsunternehmen hat an der Umfrage teilgenommen.

Der Ausbruch der Corona-Pandemie nahm erst im Laufe des März 2020 spürbar Fahrt auf. Erst ab dem 16. März traten Einschränkungen in Kraft, und ab dem 18. März musste der Einzelhandel, der nicht der Grundversorgungen dient, schließen. Im März konnte also noch überwiegend im regulären Geschäftsmodus gearbeitet werden. Allerdings zeigten sich jedoch bereits von Mitte März Auswirkungen auf Möbelspeditionen, die im internationalen Verkehr tätig sind. Ab dem 20. April wurde eine Öffnung von Geschäften bis zu einer Größe von 800 Quadratmetern wieder erlaubt. Einzelne Bundesländer wichen jedoch bereits früher von der 800-Quadratmeterbe-schränkung ab. Unter ihnen auch das für die Möbelindustrie besonders wichtige Bundesland Nordrhein-Westfalen.

Umfrageergebnisse

Laut Umfrageergebnisse fühlen sich in den geschäftlichen Tätigkeiten 94,6 Prozent der Unternehmen betroffen; 53,1 Prozent gaben an, stark betroffen zu sein.

Bezüglich des Umsatzes stornierter Leistungen für die Monate März und April wurden für die verschiedenen Marktsegmente folgende Einschätzungen gegeben, wobei die Zahlen kein absolutes Bild er- geben, da die Anteile der jeweiligen Geschäftsfelder unterschiedlich verteilt sind. Insofern bilden die Zahlen eine gute Entwicklung der jeweiligen Geschäfts-felder ab, lassen jedoch nur begrenzt Rückschlüsse auf die tatsächliche wirtschaftliche Auswirkung auf die einzelnen Unternehmen zu:

Für Privatumzüge von Selbstzahlern verzeichneten 66 Prozent der Unternehmen keine oder mäßige Stornierungen (bis zu 25 Prozent der Umsätze). Bei 8,5 Prozent der Befragten lagen die stornierten Umsätze jedoch über 75 Prozent. Für Erstattungsumzüge waren bei 58,2 Pro-zent keine oder mäßige Stornierungen festzustellen. 16,4 Prozent der in diesem Marktsegment Tätigen bezifferten die Stornierungen jedoch auf über 75 Prozent. Bei Erstattungsumzüge liegt ein höherer Anteil an Auslandsumzügen vor, welches den höheren Anteil des stornierten Um-satzes erklärt. Für Objektumzüge waren keine oder mäßige Stornierungen bei 43,2 Prozent der Marktteilnehmer festzustellen. Über 75 Prozent Stornierungen wurde von 17,6 Prozent berichtet.

Die Auslieferungen der Neumöbelspediteure an die Möbelhändler zeigte ein diverses Bild. Jeweils 25,9 Prozent der Unternehmen gaben an, keine bis mäßige Umsatzbußen bzw. 26 bis 50 Prozent des Umsatzes einzubüßen. 14,8 Prozent gaben Umsatzeinbrüche zwischen 51 und 75 Prozent an. Bei 33,3 Prozent lagen die Einbußen jedoch bei über 75 Prozent. 50 Prozent der in der Neumöbelverteilung an den Endkunden tätigen Unternehmen verzeichneten keine oder mäßige Umsatzeinbußen. Bei 23,3 Prozent sank der Umsatz zwischen 26 und 75 Prozent und bei 26,7 Prozent um mehr als 75 Prozent.

Bei der Zustellung Online bestellter Waren im 2-Mann-Handling waren zumeist keine oder lediglich mäßige Umsatzrückgänge feststellbar. Gravierende Einbußen waren jedoch bei der Auslieferung für stationäre Möbelhändler festzustellen.

78 Prozent der Unternehmen hatten für den März noch kein Kurzarbeitergeld beantragt. Für den April war Kurzarbeitergeld nur noch für 50,3 Prozent der Unternehmen kein Thema.

Solide Ausstattung mit Eigenkapital

64 Prozent der Befragten hatten zum Zeitpunkt der Befragung bei der KfW keine Liquiditätshilfe beantragt bzw. und planten dies auch nicht. Nur 13,6 Prozent hatten bereits einen Antrag gestellt oder planten die Antragstellung. Es zeigt sich hier die solide Eigenkapitalausstattung der Mitgliedsunternehmen.

Zur Höhe der beantragten oder geplanten Liquiditätshilfen wurden Angaben zwischen 10.000 und 1 Mio. Euro gemacht. Hierbei gaben 71,4 Prozent an, Liquiditätshilfen bis zu 100.000 Euro beantragt zu haben bzw. beantragen zu wollen. Soforthilfen wurden von 42,2 Prozent der Befragten in Anspruch genommen.

Die Mehrheit machte hiervon keinen Gebrauch. Die überwiegende Mehrheit der Antragsteller (79,4 Prozent) schätzte die Antragstellung als „einfach“ ein. Die Mehrheit der befragten Unternehmen (56,5 Prozent) plant keine Entlassungen infolge der Corona-Pandemie. Lediglich 7,5 Prozent planen Entlassungen. Die Arbeitsplätze in der Möbelspedition sind damit im Vergleich zu anderen Dienstleistungssektoren nur wenig gefährdet.

Personal sicher - Investitionen zurückgestellt

39,5 Prozent der Unternehmen wollen bis zu 50 Prozent der geplanten Investitionen im Jahr 2020 zurückstellen. 30,6 Prozent wollen die vor-gesehenen Investitionen komplett aus Gründen der Liquiditätssicherung und entstehender Folgekosten komplett zusammenstreichen.

50 Prozent der Unternehmen rechnen damit, nur mit erheblichen Belastungen durch die Krise zu kommen. Jedes 7. Unternehmen (14,3 Prozent) schätzt die Krise sogar als existenzbedrohend ein. Besonders stark von der Pandemie betroffen sind die Neumöbelspeditionen, die an den Handel ausliefern sowie Unternehmen, die auf Objektumzüge und / oder internationale Umzüge spezialisiert sind. Viele der Befragten gaben an, die Auswirkungen der Corona-Pandemie für die Umzugsspedition erst ab Mai zu erwarten, da die Verträge für März und April zumeist bereits zuvor abgeschlossen wurden. Als Grund zukünftiger Rückgänge bei Umzügen wurde angegeben, dass Kündigungen von Mietverhältnissen gesunken seien. Auch bei Verkäufen von Immobilien seien Rückgänge zu bemerken.

Die Neumöbelspediteure wiesen darauf hin, dass sich die Auswirkungen auf die den Handel beliefernden Speditionen erst zeigen, wenn die Käufe, die vor der Pandemie getätigt wurden, abgearbeitet seien. Die Stärke der Auswirkungen hänge davon ab, wann der Möbelhandel wieder mit dem Verkauf beginnen könnte. Eine Erholung wird erst zeitversetzt nach einer Wiederaufnahme des Möbelverkaufs auf breiter Fläche und dem Anspringen der nachfolgenden Möbelproduktion erwartet.

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