Editorial 5/2020

Vernünftig bleiben!

Wenn Sie dieses Editorial lesen, sind diese Zeilen aufgrund des Produktionsprozesses einer jeden Ausgabe der MöbelLogistik schon wieder einige Tage alt – Zeit, in der sich gerade während der aktuellen Corona-Krise sehr schnell sehr viel entwickelt und/oder ändern kann. Gutes wie Schlechtes!

Mir bleibt in jedem Fall die positive Erkenntnis in Erinnerung, wie schnell wir Dinge geändert haben bzw. sich Prozesse umsetzen ließen, die vor Corona mehr oder weniger undenkbar gewesen sind. Oder das gute Gefühl, wie sehr zusammengerückt die Menschen in der Krise sind, um die Situation gemeinsam zu bewältigen. Wofür in dieser Krise so gar kein Platz schien: Spalter, Blockierer und Ewiggestrige! Gibt es eigentlich die Alternative für Deutschland (AfD) noch? Wird man doch noch fragen dürfen, angesichts der Umfragen noch im März oder April: Demnach fielen die Rechtspopulisten auf ihre schlechtesten Werte seit der Bundestagswahl bis sogar unter zehn Prozent, wohingegen die Union mit ihrem Corona-Krisenmanagement in der Wählergunst stieg und einen Höhenflug bis kurz vor die 40-Prozent-Marke starten konnte (Stand bei Redaktionsschluss). Aber so politisch wollte ich eigentlich gar nicht werden...

Jedenfalls: In dieser Krise gezeigt und bestätigt hat sich, wie wichtig strategische Weitsicht, analytischer Sachverstand und verlässliche Partnerschaften und Kooperationen sind, zum Beispiel die engere Verzahnung der AMÖ mit dem Bundesverband Güterkraftverkehr Logistik und Entsorgung (BGL) e.V., dem Bundesverband Wirtschaft, Verkehr und Logistik (BWVL) e.V. dem DSLV Bundesverband Spedition und Logistik e.V. und anderen Mitstreitern. Zu denken ist hier beispielhaft an den geschlossenen Gütertransportpakt für Deutschland, die Initiative #Logistikhilft sowie die Internetplattform „Gemeinsam Handeln“. Was da in Kürze auf die Beine gestellt und ins Bewusstsein der Öffentlichkeit gerückt wurde, kann sich schon sehen lassen. Hoffen wir im Gegenwarts-Heute (27. April), dass es im Zukunfts-Heute (Mitte Mai) Früchte trägt. Hoffen wir aber ganz besonders, dass der Respekt und die Anerkennung, wie sie derzeit den Alltagsheldinnen und Alltagshelden auf dem Lkw, im Supermarkt oder anderen Branchen entgegengebracht werden, mit dem Abflauen der Krise nicht abrupt wieder nachlassen. Man kennt das ja!

Was mir persönlich sauer aufgestoßen ist: Wie sich urplötzlich die Einstellung und das Verhalten mancher (vieler?) Menschen in Sachen Hygiene- und Abstandsmaßnahmen gewandelt haben, nachdem es die ersten Lockerungen seitens der Bundesregierung gegeben hat. Möglicherweise liegt das in der Natur der Menschen, sich an Ausnahmesituationen derart zu gewöhnen, dass sie nach und nach in alte Gewohnheiten verfallen, nachlässig werden und den Ernst der Lage – wenn auch unbeabsichtigt – aus den Augen verlieren? Hoffen wir mal! Alles andere wäre pure Verantwortungslosigkeit, Ignoranz und eine Schelle für all jene, die sich vernünftig verhalten (haben), um sich selbst und andere nicht zu gefährden, oder die in dieser Zeit gezwungerner Maßen ein eingeschränktes Leben führen müssen (mussten). Oder für solche, die gestern noch in der Öffentlichkeit löblich erwähnt haben, wie vorbildlich AMÖ-Mitgliedsunternehmen Hygiene-, Abstands- und Maskenregeln bei Umzügen befolgen, nur um einen Tag später zu beobachten, wie geschätzt acht Mitarbeiter einer örtlichen Umzugsfirma ohne Beachtung empfohlener Gesundheitsmaßnahmen in der Nachbarwohnung ein- und ausgehen. Das war hoffentlich die Ausnahme. Oder? Oder???

Lockerungen, Mund-Nase-Schutz, Abstandsregeln hin oder her: Corona ist kein Spaß! Seid vernünftig und nehmt die Krankheit Ernst! Und wenn schon nicht aus Rücksicht auf die eigene Gesundheit, dann wenigstens auf die der anderen! Zwischenzeitlich haben wir übrigens entschieden, die diesjährige J‘AMÖ-Tagung vom 19. bis 21. Juni 2020 abzusagen und ins nächste Jahr auf den 18. bis 20. Juni 2021 zu verschieben. Auch andere Termine wie die Infoveranstaltung für die Rahmenvertragspartner der Bundeswehr und des Auswärtigen Amts Mitte Mai in Kassel mussten wir absagen. Welche anderen AMÖ-Veranstaltungen betroffen sein werden, bleibt abzuwarten. Hoffen wir einfach auf das Beste – und bleiben dabei ganz besonders eines: gesund!

Ihr
Daniel Waldschik

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