Editorial 9/2021

Vom Reden und Machen!

Ein altes hessisches Sprichwort sagt: „Babbel net, mach!“ Na gut, vielleicht habe ich mir das gerade auch einfach nur ausgedacht. Das tut aber auch nichts zur Sache, bringt es nämlich dennoch auf den Punkt, wofür Sie, die Möbelspediteurinnen und Möbelspediteure, stehen – vor allem immer dann, wenn die Not am größten ist und Hilfe gebraucht wird.

Die Bilder der verheerenden Flutkatastrophe in Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz im vergangenen Juli haben wir wohl alle noch vor Augen. Und während die einen – nämlich die aus der Politik – PR-getreu mit warmen Worten „getröstet“ haben oder die Extremunwetter für den laufenden Wahlkampf politisiert haben, Hashtag Klimawandel, fackelten andere nicht lange, krempelten ihre Ärmel hoch, packten sich Schaufeln und halfen bei den Aufräumarbeiten, organisierten Hilfsaktionen, sammelten dringend benötigte Kleidung, Nahrungsmittel, Hygieneartikel, Kinderspielzeug oder was die Betroffenen ansonsten zum (Über)Leben gebraucht haben, luden tonnenweise Utensilien in ihre Lkw, und fuhren in die Katastrophengebiete. Allein auf dem Gelände der Anton Röhr Logistic-Group in Rietberg-Mastholte kamen rund 100 Helferinnen und Helfer zusammen, um die Sachspenden aus der Region zu sortieren und zu verladen. Aus den laut Presseberichten acht Lkw, die sich auf die Reise ins Katastrophengebiet gemacht hatten, wurden am Ende insgesamt zehn, die mit dringend benötigten Hilfsgütern vom Hof rollten.

Die Resonanz für die Helferinnen und Helfer in den sozialen Medien ist schier überwältigend. „Ihr seid alle große Helden. Ein ganz dickes Dankeschön!“ „Absolute Gänsehaut! Unglaubliche Aktion von allen Beteiligten. Kommt heile wieder!“ „Ich kann meinen Dank nicht in Worte fassen, ihr alle leistet Großartiges!“ – nur drei Reaktionen auf das Video, das die Lkw-Kolonne bei der Abfahrt zeigt. Die Liste solcher Dankes- und Respektsbekundungen ist lang – und das völlig zurecht!

Im Gegensatz dazu die Reaktionen auf die Kanzlerkandidatin und die Kanzlerkandidaten zur Bundestagswahl im September: Laut einer Umfrage des Meinungsforschungsinstitutes Insa für die „Bild am Sonntag“ (Stand: 25. Juli 2021) bewerten 57 Prozent der Befragten das Agieren Armin Laschets (CDU) mit Blick auf die Überschwemmungen in Teilen Deutschlands negativ, nur 23 Prozent sehen sein Auftreten positiv. Annalena Baerbock, Gegenkandidatin der Grünen, stellen 46 Prozent der Befragten ein schlechtes Zeugnis aus, 22 Prozent bewerteten ihr Handeln in der Flutkatastrophe positiv. Mit 39 Prozent positiven Antworten wurde SPD-Kandidat Olaf Scholz am besten bewertet, 29 Prozent sahen sein Handeln negativ. Das Auftreten von Noch-Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) fanden 60 Prozent positiv und 25 Prozent negativ. Im Falle einer Direktwahl des Kanzlers würden 21 Prozent für Scholz, 15 Prozent für Laschet und 14 Prozent für Baerbock stimmen. In der Vorwoche hatte Scholz in der wöchentlichen Insa-Umfrage noch bei 18 Prozent gelegen, Laschet hingegen bei 20 Prozent. Allein die Zustimmungswerte für Baerbock haben sich im Vergleich zur Vorwoche nicht geändert.

Dabei sind es gerade solche Momente, die Wahlen entscheiden. Erinnern Sie sich noch an Fluthelfer Gerhard Schröder (SPD) in seinen gelben Gummistiefeln, damals, 2002, als die Elbe zur Sintflut wurde und alle Dämme brachen? Schröder, der Macher, der Populist, der „Ich weiß mich für die Medien zu inszenieren“-Kanzler! Ob inszeniert oder nicht, die Botschaft war klar: Der Kanzler ist da – alles wird gut! Vorbild?
Na wer wohl: „Krisen-Kanzler“ Helmut Schmidt (SPD), der sich während der fatalen Sturmflut im Jahr 1962 bundesweites Ansehen als Macher verdiente. Wer solche Chancen liegen lassen hat? 2002 war es Edmund Stoiber (CSU), von Kopf bis Fuß Verwaltungsmensch, der damals trotz besserer Umfragewerte als Kanzlerkandidat der Union von Schröder auf der Populismus-Welle überholt wurde. Und jetzt wohl Armin Laschet.

Aber reden wir lieber wieder von denjenigen, denen unsere höchste Anerkennung gebührt: Die Häuser Röhr, Stark, Bertram, Hirsch, Achnitz und alle anderen, die in dieser Aufzählung nicht enthalten sind, aber sich in der nicht nur für die Betroffenen so schrecklichen Katastophe ebenso verdient gemacht haben: Ihr Engagement beweist einmal mehr, mit wie viel Herz, Verstand und Tatendrang die Unternehmerinnen und Unternehmer denken und handeln Dafür haben Sie alle meinen vollen Respekt, unser aller Respekt – Chapeau!

Ihr
Daniel Waldschik

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