Editorial 4/2020

Was Corona verändert

Zugegeben, das Jahr 2020 hat nicht wirklich begeisternd begonnen. Bereits im letzten Jahr ist die Konjunktur spürbar ins Stocken geraten. Aber selbst Pessimisten haben für dieses Jahr zwar keine üppige, aber immerhin doch eine schwache Zunahme der Wirtschaftsleistung erwartet. Was sich dann in wenigen Wochen entwickelt hat, hätte man bislang eher in einem fiktionalen Roman erwartet. Eine weltweite Krise, Verunsicherung allenthalben, Beschneidung der Grundrechte, eine verordnete Schließung erheblicher Teile der Wirtschaft, eine
Wiedererrichtung der Grenzkontrollen im gemeinsamen Raum Europa, ein überfordertes medizinisches Versorgungssystem, staatliche Ausgabenprogramme, die noch zum Jahresanfang völlig undenkbar erschienen.

Und die Möbelspedition? Mitbetroff en, natürlich. Alles andere wäre angesichts der Wucht der Maßnahmen auch nicht realistisch. Schon weil die Mitarbeiter gesundheitlich betroffen sein könnten musste sich jeder und jede Verantwortliche in den Unternehmen damit befassen. Was macht man mit Mitarbeitern, die eigentlich benötigt werden, die aber ein paar Tage in einem Risikogebiet im Urlaub waren? Kann man überhaupt verantworten, dass diese im Betrieb weiterarbeiten und vielleicht Kollegen anstecken oder Kunden? Oder dass sich die eigenen Mitarbeiter beim Kunden anstecken, mit unbekannten gesundheitlichen Folgewirkungen.

Und die Auftraggeber sind ja auch betroff en. Die Möbelindustrie fährt die Produktion herunter, weil der Handel die Ware nicht mehr annimmt, Wirtschaft und Verwaltung haben geplante Objektumzüge in einer noch nicht dagewesenen Geschwindigkeit abgesagt und auch die Umzüge von Mitarbeitern stehen zur Disposition. Im öff entlichen Dienst ebenso wie in der Wirtschaft. Dass zumindest Umzüge von Privaten noch möglich sind, jedenfalls zum Zeitpunkt der Drucklegung, ist da ein schwacher Trost. Zumal auch diese Gruppe massiv verunsichert ist, Umzüge entweder am liebsten sofort umziehen oder im Zweifelsfall verschieben würde. Und ein Glück, dass es noch den Versandhandel gibt und dieser weiter liefern darf, jedenfalls solange er die Ware bekommt.

Egal um welches Unternehmen es geht, die Planungen, die für das Jahr 2020 angestellt worden waren, sind das Papier nicht mehr wert, auf dem die ersten Überlegungen festgehalten wurden. Investitionen, Personalplanungen, strategische Vertriebsüberlegungen, alles hinfällig. Jetzt gilt es, mit so wenig Schaden wie möglich diese Krise überstehen. Zumal die langfristigen Folgen noch völlig off en sind. Wie werden sich Unternehmen in Zukunft aufstellen? Werden „home office“, sowie die Telefon- und Videokonferenzen, die wir alle gerade bis an die Belastbarkeit der Netze nutzen, dazu führen, dass auch in „nach-Corona-Zeiten“ weniger Büroraum benötigt wird? Wird die Notwendigkeit der Verlagerung von Unternehmen in expansiven Zeiten vielleicht gar nicht mehr nötig werden? Wird das mobile working dazu führen, dass Mitarbeiter gar nicht mehr im gewohnten Maß an andere Orte versetzt werden müssen, da wir viel stärker virtuell angebunden sind? Werden wir unser Einkaufsverhalten noch schneller und radikaler wandeln und wird der stationäre Möbelhandel noch stärker und schneller an den online-Handel verlieren? Und überhaupt, wie lange wird es dauern, bis die Wirtschaft wieder auf das Niveau vor dem Absturz zurückkehrt – und wie tief werden die Löcher in den öff entlichen Haushalten dann sein. Was werden die Konsequenzen für öff entliche Investitionen und Steuer- und Abgabenbelastungen in der Zukunft sein?

Wie es bei Fragen zur Zukunft normal ist, werden wir auch darauf erst in der Zukunft Antworten haben. Bis dahin gilt es, zunächst die Problemstellung der Gegenwart – Corona – zu bewältigen. Bei der AMÖ versuchen wir nach Kräften, unseren Teil beizutragen. Dafür hat sich die neue Aufstellung mit verstärkten Kooperationen bereits positiv ausgewirkt. Organisatorisch haben wir in der Geschäftsstelle entsprechende Maßnahmen ergriff en, um die Arbeitsfähigkeit für die Mitgliedsunternehmen sicherstellen zu können. Und auch wenn Corona derzeit alles überlagert, versuchen wir dennoch, auch die Planungen für die Zukunft nicht aus den Augen zu verlieren. Manche Bedürfnisse wird es nämlich auch in Zukunft geben. Dazu gehört der persönliche Austausch. Wir halten deswegen so lange wie möglich an unseren geplanten Veranstaltungen fest. Immer natürlich auch mit Blick auf die Gesundheit der Teilnehmer. Wenn es nicht zu verantworten ist, werden wir diese dann auch absagen. Aber wir bleiben optimistisch, denn auch wir wollen den persönlichen Kontakt zu Ihnen allen
nicht verlieren.

Bleiben Sie zuversichtlich – und vor allem gesund!

Ihr
Dierk Hochgesang

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